Instagram bietet einem viele Dinge. Neben der Inspiration für Farbkombinationen und Materialmixe, bietet es vor allem eine unausschöpfliche Quelle an Projekten. An jeder Ecke ist ein KAL/CAL versteckt, hinter jedem xten Post winkt eine spannende Herausforderung und hinter jeder Tür, die man durchschreitet, findet man ein Stück, dass man auch unbedingt im Kleiderschrank möchte.


Nach einigen Paar Stricksocken war ich soweit und ich traute mich an mein erstes „richtiges“ Strickprojekt. Ich stieß auf einen KAL, der in Kürze starten sollte und den gefühlt alle mitstrickten. Während die meisten das vorgegebene Garn ➥ Tahiti (Werbung) von Schachenmayr nutzten, buddelte ich mein Garn vom Wollfest aus, kaufte ein Knäuel ➥ Ecopuno von Lana Grossa (Werbung) dazu und war Feuer und Flamme. Kaum startete der KAL, ließ ich auch die Nadeln klappern und im Gegensatz zum „Grünen Monster“, hatte ich keinerlei Startschwierigkeiten. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits mächtig stolz und konnte das erste mal meine Lernkurve wirklich genießen. Ich liebte das Muster, ich liebte das Gefühl, endlich einen merklichen Fortschritt geschafft zu haben. Den ersten Teil hatte ich, für meine Verhältnisse, sehr schnell fertig und wartete gespannt auf den zweiten Teil.

Als der zweite Teil rauskam und ich ihn kurz überflog, war meine Freude etwas gebremst. Es war ein kompliziertes Muster und ich fürchtete, dass ich schnell an meine Grenzen stoßen würde. Tatsächlich musste ich den zweiten Teil des Tahiti-KALs 2x komplett ribbeln, weil das Lochmuster aus mir unerklärlichen Gründen nicht entstehen sollte. Dabei half mir sogar eine ganz liebe Instagram-Userin, schickte mir Videos und schaute mir beim Stricken virtuell über die Schulter. Auch sie konnte nicht erkennen, wo genau der Fehler lag und ich gab mich fürs erste geschlagen. Der Frust, an einem Wochenende rund 16 Stunden für nichts gestrickt zu haben, war allerdings nach einem Tag verfolgen und ich wollte es erneut versuchen. Im Grunde änderte ich nichts an meiner Technik, die am Freitag, Samstag und Sonntag augenscheinlich noch falsch war, aber plötzlich entstanden am Montagabend Löcher im Muster! Ich weiß nicht, ob es an der fusseligen Ecopuno lag oder ob weder die freundliche Helferin noch ich eine winzige und falsche Strickbewegung übersehen hatten, aber der Knoten war geplatzt! Langsam aber sicher frickelte ich mich durch den zweiten Teil hindurch. Im Gegensatz zu meinen üblichen Sockenprojekten, konnte ich das Muster nur in absoluter Stille (!) stricken, um mich bloß nicht zu verhaspeln. Wie kann es nur so schwer sein, bis 5 zu zählen und im Rhythmus zu bleiben? Selbst mein Freund durfte sich nicht im gleichen Raum aufhalten und dabei atmen, da mich schon aus der Ruhe brachte. Aber auch andere User schienen Probleme mit dem zweiten Teil gehabt zu haben, wobei – gerade ich – bei den „hinten links zusammengestrickten Maschen“ keine größeren Schwierigkeiten hatte. Zwar ärgerte mich mein leicht flauschiges und sich verzahnendes Garn, sobald ich es ribbeln musste (Sicherheitslinie sei Dank!), aber meine äußerst spitzen ➥ Hiya Hiya Nadeln (Werbung) ließen mich relativ entspannt durch die Maschen hindurchschlüpfen. Noch bis heute meine absoluten Lieblingsnadeln, die durch ihre Spitze jedes Lace-Muster bewältigen.

Nach einigen Wochen war der zweite Teil geschafft und ich freute mich bereits beim Stricken auf den dritten Abschnitt, der fast so war, wie der erste. Wie erwartet, flog ich durch den dritten Teil hindurch und konnte ein wenig verschnaufen. Es war herrlich! Im Anschluss daran folgte der letzte Teil, den ich nur ein mal komplett ribbeln musste, obwohl es sich hierbei auch um ein Muster handelte, das ich sonst niemals von alleine anfassen würde. Im Gegensatz zum zweiten Teil, war dieses Muster jedoch deutlich eingängiger und wenn man seinen Zähl-Rhythmus gefunden hatte, kam man gut voran. Außerdem konnte mich nach Teil 2 so schnell nichts mehr schocken.

Maeva von Feinmotorik Ecopuno KAL

Als ich das Tuch endlich abgekettet hatte, durchschoss mich ein wahrer Endorphin-Strom! Ich war selten in meinem Leben so unfassbar stolz auf meine eigene Leistung. Um ehrlich zu sein, hätte ich beim KAL niemals mitgemacht, wenn das Ergebnis von Beginn an bekannt gewesen wäre. Nicht aus optischen Gründen, sondern weil mir die Herausforderung eindeutig zu groß gewesen wäre und ich es mir schlichtweg nicht zugetraut hätte. Zwar wurde ich bedeutend später fertig, als die anderen User, aber ich hatte meinen Weg nicht vergessen. Der Weg, über die Strickzeitschriften, zur Hoffnungslosigkeit, hinweg über das Versagen beim „Grünes Monster“. Vorbei an dem ersten Paar Socken bis hin zu diesen wirklich nicht einfachen Mustern. Dieser Moment war mein persönlicher Durchbruch und auch ein Jahr später schaue ich gerne darauf zurück. Es zeigte mir sehr eindrücklich, wie sehr sich der Glaube an sich selber lohnt. Nicht aufzugeben, wenn man etwas wirklich will. Der Weg, sich Stricken beizubringen, ohne das jemanden einem im direkten Kontakt hilft und obwohl man wirklich kein ausgeprägtes logisches Denken hat, war wirklich, wirklich nicht leicht. Aber eben genau deswegen bin ich noch heute besonders stolz auf meine Leistung und seit diesem Tuch ist nichts mehr wie zuvor. In diesem Moment verlor ich meine Angst vor Maschen!

Maeva von Feinmotorik Ecopuno KAL

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