Ach du Strick!

Mein erstes Colorwork-Projekt

Obwohl ich zu den relativ langweiligen Sockenstricker:innen gehöre, denen glattrechts bei schönem Garn vollkommen ausreichend ist, juckt es sogar mich ab und zu in den Fingern. Komplizierte Muster wecken eher selten meine Neugierde, aber ein farbenfrohes Spiel innerhalb eines Projektes verzückt mich immer wieder aufs Neue! Schon lange wollte ich mich an Colorwork-Arbeiten bzw. Fair Isle rantrauen, aber die Fadenspannung, der ausreichend große Maschenanschlag etc. haben mich bislang ausgebremst. Obwohl ich sogar regelmäßig ein Buch in meinen Warenkorb schiebe und wieder rauslösche (Schwedische Socken Stricken (Werbung)), konnte ich mich nicht durchringen auf „bestellen“ zu klicken. Nichtsdestotrotz möchte ich mich dieser Herausforderung stellen und nicht nur ein Projekt endlich anstricken, sondern vielleicht sogar entwerfen… Aber… Warum selber entwerfen? Keine Sorge! Ich habe keinen Größenwahn und weiß, dass unsere Designer:innen mehr drauf haben, als ich jemals erreichen werde. Allerdings probiere ich gerne rum und muss mich langsam rantasten, ohne den Druck einer „richtigen“ Anleitung im Nacken zu spüren. Würde ich mein „Warenkorbhüpfer“ kaufen, würde ich wahrscheinlich schnell vor einigen Mustern zurückschrecken und es vor mich herschieben. Hier muss Frau einfach mal selber ran!

Das Besondere an diesem Projekt ist aber, dass alleine eben alleine ist und ich gerne meine Erfahrungen mit anderen teile. Ich werde alles Schritt für Schritt dokumentieren, meine Gedanken niederschreiben und die Stolpersteine und meine (hoffentlich) Lösungen aufzeigen. Vielleicht gibt es ja noch mehr Handarbeiter:innen, die zögern und sich etwas schwer mit dieser Art von Handarbeiten tun, es aber gerne würde. Wer will, ist herzlich eingeladen, mir bei diesem Langzeit(?)projekt zu folgen. Entweder beenden wir es erfolgreich gemeinsam oder ich scheitere kläglich und öffentlich – damit kann ich umgehen 😀

Wo sehe ich die Schwierigkeiten und habe ich vor, sie zu lösen?

1.) Die Fadenspannung ist definitiv eine Sache, die man wahrscheinlich nur mit viel Übung optimieren kann. Um mir das Leben etwas einfacher zu machen, habe ich mir einen einfachen Fadenring (Werbung) gekauft, mit dem ich beide Fäden getrennt voneinander führen kann. Ich will zwar keinen Druck aufbauen, aber ich erwarte schon viel von diesem Helferchen 😉 Jetzt muss er nur noch abliefern.

2.) Socken müssen elastisch sein! Klingt logisch, aber genau liegt das Problem bei Fair Isle. Für meine Otto-Normalo-Socken nehme ich immer 64 Maschen und eine 2,5er Stricknadel (Werbung), wobei ich mittlerweile relativ locker stricke und auf 2,25er runter müsste… Würde ich nun 1:1 zweifarbig stricken, wäre kaum Elastizität vorhanden und mein Freund würde die Socken nicht über die Fersen bekommen. Mittlerweile habe ich zwei Wege gefunden, dieses Problem zu umgehen. Entweder man nimmt deutlich mehr Maschen auf oder man nimmt eine größere Stricknadel (z.B. 2,75 oder 3). In meinem Fall habe ich mich dazu entschieden, auf meine 2,25er Nadel zurück zu greifen und statt 64 Maschen 72 aufzunehmen, wobei ich nach einigen Zentimetern sehr genau prüfen werde, ob die Größe ausreicht. Da meine Sockenbündchen nur in einer Farbe gestrickt werden, würden sie auf Grund der hohen Maschenanzahl viel zu weit ausfallen. Auch hier gibt es zwei Möglichkeiten, wie ich das Problem angehen kann. Zum einen könnte ich die gewohnten 64 Maschen anschlagen, die Bündchen stricken und in der letzten Reihe die fehlenden 8 Maschen zusätzlich gleichmäßig aufnehmen und zum anderen könnte ich die Bündchen in einer viel kleineren Nadelstärke (z.B. 2) stricken. Zwar habe ich mich noch nicht entschieden, aber in Ermangelung einer 2er Nadel, tendiere ich zur ersten Lösung.

3.) Das passende Muster muss erst noch selbst entworfen (…oder vielleicht doch noch gefunden?) werden. Es gibt wirklich viele Designs, allerdings haben bislang alle meinem Freund nicht gefallen und oft sind sie eher für Frauen als für Männer geeignet. Zwar trägt er pinke Shirts und bunte Socken, hat insgesamt alles andere als ein starres Männerbild, aber irgendwie konnte ihn bisher einfach nichts abholen. Das ist auch vollkommen in Ordnung, obwohl es mich vor eine weitere Herausforderung stellt. Drückt mir die Daumen, dass es klappt.



Meine Garnauswahl

Für mein erstes Projekt habe ich mir ganz spezielles Garn ausgesucht. Die „Balance“ ist ein plastikfreies Sockengarn aus 60% Schurwolle und 40% Tencel aus dem Hause Atelier Zitron. Das Garn wurde bisher nur ein wenig geknautscht, aber es fühlt sich herrlich weich an. Adam durfte sich die Farben aussuchen, entschied sich ausgerechnet für schwarz/gelb und ich hoffe, das fertige Paar erinnert nicht zu sehr an einen Bienen- oder Fußballerschwarm.

Der kreative Part: Das Muster!

Puh! Los geht es! Selbst ein kreativer Mensch, kommt an dieser Stelle schnell an seine Grenzen. Ich kenne wirklich wenige Muster und mein Designer-Fachwissen ist grauenhaft schlecht. Viele Handarbeiter:innen tauschen sich aktiv untereinander aus, fachsimpeln aus der tiefsten Materie heraus und kennen viele Anleitungen und deren Ersteller beim Namen. Mein Fachwissen ist leider sehr beschränkt und ich kenne nahezu keine Sockenanleitung. Obwohl das den Vorteil mit sich bringt, dass ich unterbewusst nichts nachzeichne, habe ich dennoch ein wenig Sorge meine Muster könnten anderen zu stark ähneln. Wahrscheinlich bleibt so etwas nie ganz aus, aber ich werde definitiv nach meiner kreativen Phase prüfen, ob ich das Muster 1:1 irgendwo finde. Es wäre mehr als nur ein wenig peinlich, wenn ich mein Muster hier kostenfrei zur Verfügung stelle und an anderer Stelle jemand, berechtigter Weise, Geld dafür haben möchte. Tatsächlich ist das der Punkt, der mich am meisten stresst, wenn es um eigene Designs geht.

Mittlerweile liegen permanent bunte Stifte und kariertes Papier auf meinem Tisch und jede Idee wird sofort eingezeichnet, aber bislang genauso oft verworfen. Nach wie vor bin ich absolut fasziniert, wie die Designer:innen nur einen kleinen Ausschnitt in die Anleitung packen und daraus, durch einfache Wiederholung ein fertiges Muster wird. Natürlich gibt es einige Programme, die diese Arbeit deutlich erleichtern und für einen die Umrechnerei vornehmen, allerdings möchte ich kein Geld investieren und werde sicherlich etwas eigenes auf die Beine gestellt bekommen. Bislang wird mir allerdings beim Anblick meiner Entwürfe, die ich in eine Excel-Tabelle übertragen habe, etwas übel. Allen Empfindlichen rate ich, mit geschlossenen Augen zu scrollen 😀

Update 03.10.2021: Mein Freund hat diese Woche den irritierenden Satz „Ich habe genügend Stricksocken“ fallen gelassen. Ich war deshalb irritiert, weil er sich bis vor kurzem noch zu Farbwünschen geäußert hat (unter anderem betreffend meines ersten Colorwork-Projektes) und er nun so einfach einen Schlussstrich zieht. Das macht mir aber gar nichts aus, da ich für mich kaum Socken gestrickt habe und dieses Projekt ab jetzt für mich selber stricke. Zwar hätte ich mir andere Farben ausgesucht, aber ich habe schon eine Idee und die hätte ich nicht umsetzen können, wenn ich die Socken für ihn gestrickt hätte 🙂 Das erste Bündchen ist bereits fertig.

Update 08.10.2021: Nachdem das Muster entworfen war, MUSSTE ich es natürlich direkt versuchen und kann nun bestätigen: zweifarbig Stricken ist wirklich nicht einfach 😀 Ich halte den Faden eh etwas seltsam, was mir beim Colorwork auf die Füße fällt. Der Fadenring hat mir auch noch nicht groß weitergeholfen, wobei die Fadenführung dadurch viel bequemer ist und ich dem Ding auf jeden Fall eine Chance geben werde. Für meinen ersten Versuch ist das Ergebnis ganz okay, aber ich habe es dennoch wieder geribbelt, da das Muster untergeht und die Socke mit der Anzahl der angeschlagenen Maschen nicht ansatzweise (!) über meine Ferse rutschen wollte. Dabei habe ich die 72 Maschen auf 88 erhöht, um die fehlende Elastizität auszugleichen, aber wahrscheinlich hätten es eher 104 sein müssen (wie schrecklich…). Nun gut! Als nächstes wird das Muster überarbeitet, damit der Gelbanteil deutlicher heraussticht und dann sehen wir mal weiter 🙂

Update 30.11.2021: Ich habe das kleine Projekt nicht vergessen! Ich musste allerdings die „Grünen Socken“ auf die Reise bringen, arbeitstechnisch bin ich ziemlich gestresst, die Weihnachtsgeschenke wollen gezaubert werden und was ist da noch.. ach ja, die Welt fühlt sich verrückt an! 😀 Aktuell durchlaufe ich eine Phase, in der ich mich nur gaaaanz schwer konzentrieren und etwas Neues lernen kann. Das wird sich aber sicherlich bald wieder legen. Vielleicht nutze ich die ruhenden Nadeln, um das Muster noch mal fix zu überarbeiten.

So denn, dieser Beitrag endet hier vorerst. Nach und nach werde ich die Probleme, Erfolge und Erfahrungen hier niederschreiben. Quasi einer von, zugegeben, einigen „lebendigen“ Blogbeiträge hier 😀


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