Die Zeit von 0 – 2014

Als Kind war ich nicht kreativer als andere Kinder, allerdings behielt ich diese Eigenschaft auch im Erwachsenenenalter bei und war auch später bereit, die Welt neu zu entdecken und bin noch immer ständig auf der Suche nach neuen Ideen. Mit meiner schulischen Laufbahn im IT-Bereich und der anschließenden Ausbildung zur Bankkauffrau, habe ich Wege eingeschlagen, die am Ende des Tages kein Ergebnis haben. Natürlich hat man gearbeitet und entweder jemanden beraten oder einen Drucker installiert, aber in der Hand hält man nichts. Ein Graus für den, dem das nicht reicht! Wie sehr sehnte ich mich nach einem Beruf oder einem Hobbie, bei dem man nach getaner Arbeit ein fertiges Stehrümchen in eine Ecke stellen oder vllt. sogar sinnvoll nutzen kann. Es musste also dringend eine Beschäftigung her, die nicht so viel Dreck macht, wie mein kläglicher Holzschnitzversuch, nicht so viel Platz verbraucht wie meine Ton-modelier-Phase und auch unterwegs funktioniert, anders als mein Schrebergarten. Aber was…?

Meine Oma und ihre Stricknadeln verhielten sich ähnlich dem Clownfisch und seiner Anemone. Beides getrennte Organismen und doch im Geiste vereint. Kein gemütlicher Spieleabend, keine Geburtstagsfeier, ohne das meine Oma ihre Stricknadeln auspackte und Stunde um Stunde die Nadeln glühen ließ. Meine früheste Erinnerung an ein Kleidungsstück ist ein seltsam türkiser Strickpullover, mit einem Baum und einem exorbitant großen Dackel, dessen gestricktes Ohr angenäht war, sodass man es bewegen konnte. Bewegen! Ich war einfach der Hit im Kindergarten! Dieses Gefühl habe ich nie verloren und erinnere mich noch heute daran, wie dieses kleine Detail, ein Kleidungsstück zu etwas ganz besonderem gemacht hat. Schon als Knirps war mir klar, dass Stricken etwas Gutes ist, aber für mich ungeduligen Menschen eher keine Option. Leider stellte sich bereits früh heraus, dass auch Häkeln keine Alternative war, da meine ersten Gehversuche in der Zeit vor dem Internet waren und mir keiner verriet, dass es eine Steigeluftmasche braucht, damit der Topflappen nicht krumm wird. Blöd.

Die Zeit seit 2015

2015 kam eine bekannte Strickzeitschrift auf den Markt, mit der es angeblich möglich war stricken zu lernen. Meine Oma entdeckte die Zeitung scheinbar ganz „zufällig“ im Kiosk und brachte mir das erste Exemplar mit. Sie wusste schon immer, dass ich unter allen Enkelkindern dasjenige bin, das man am leichtesten für alles mögliche begeistern konnte und an der Stelle ein kurzer Spoiler-Alarm: bereits in dem Moment war mir schlagartig klar, dass das leider für mich ein teueres Ende nehmen würde. Solche Konzepte laufen immer gleich ab, die ersten 2-3 Ausgaben fixen dich an und wenn du angebissen hast, wirds teuer!

Gestrickte Patches Quadrate für Decke grün Noppenmuster

Meine Oma kaufte mir also großzügig die erste Zeitschrift für 1,00 Euro und es folgten daraufhin alle zwei Wochen eine Ausgabe in Höhe von 4,99 Euro für viele Monate. Sprechen wir nicht drüber, so viel Geld würde man sonst niemals für eine Patchworkdecke ausgeben. Allerdings wusste ich, dass es durchaus motivieren kann, etwas gemeinsam zu lernen und sich dem Thema „Stricken“ anhand von überschaubaren Quadraten zu nähern. Noch dazu gaben mir die zwei Wochen Zeit das Gefühl, es tatsächlich schaffen zu können. Schnell war meine übliche Begeisterung für alles Neue geweckt und ich legte direkt los. Meine Oma und der Zeitschriftenhersteller freuten sich sehr über diese Entscheidung!