Ach du Strick!

Meine Füße und das restliche Ich

Ich gehöre zu den Menschen, die absolut keine Probleme mit Füßen haben – Bäm! Jetzt ist es raus. Ich kann meine Füße anschauen, anfassen und wenn ich andere Füße sehe, laufen meine nicht los. Nein, es ist kein Fetisch, einfach nur die Akzeptanz gegenüber einem normalen Körperteil.

Warum ich das erzähle?

Vor Kurzem habe ich einen Facebookbeitrag in einer Stricksockengruppe gesehen unter dem sehr ausführlich diskutiert wurde, ob die Stricksocken wirklich getragen werden müssen, um sie zu präsentieren. Es ekelten sich so absurd viele Menschen über Füße IN Stricksocken, dass ich jetzt eine deutliche Triggerwarnung an alle Fußhasser rausgebe: Es geht heute – wenn auch ohne Nacktbilder – um meine Quanten 😀

Spätestens jetzt solltest du abspringen, denn es geht los.


Während ich im Dezember 2022 mit Corona flachlag und absolut nichts zu tun hatte, dachte ich intensiv über meine Füße, deren Form und Größe nach. Ich strickte an einem Paar Socken und stellte meine geliebte „runde Bumerangferse“ bzw. deren Zusammenspiel mit meinen Füßen in Frage. Bis zu diesem Zeitpunkt war es meine bevorzugte Fersenart, schlicht und ergreifend auf Grund der Einfachheit. Ich weiß, was ich wann und wie zu tun habe. Ich muss nicht nachdenken, nichts kompliziert frimmeln. Doch… An dem Tag wollte ich jedoch eine andere Ferse ausprobieren und mal „ganz verrückt“ etwas Neues wagen. Ich warf die große Suchmaschine an, las mich zum 100sten Mal in die verschiedenen Fersenformen ein und war – nach 3 Stunden – so schlau wie vorher.

Meine Füße

Mit Schuhgröße 42 gehöre ich definitiv zu denen, die im Freundes- und Bekanntenkreis der Winzern gern gesehen sind. Ich könnte Trauben und Tomaten in null Komma nichts zerstampfen und Altbau-Wohnungen können schnell zu einem Alptraum werden. Oftmals sind die Treppen für kleine Füße gezimmert worden und ich stoße im wahrsten Sinne des Wortes an meine Grenzen. Nenn mich einfach Tingeltangel-Bob. Gerade in meinen jungen Jahren störten mich meine großen Füße, obwohl das natürlich absoluter Quatsch ist. Schließlich habe ich in den öffentlichen Verkehrsmitteln einen besseren Halt und während einer Fußmassage deutlich mehr „Genussfläche“, aber meine Laune verbesserte sich durch das Hobbie „Stricken“ in den ersten 2 Jahren nicht.

Das Leid der Paddel-Füßler

Wer große Füße hat, braucht viel Zeit beim Stricken. Ich gehöre nach wie vor zu den gemütlichen Fricklern, die gerne 2-3 Runden stricken, das Projekt wieder zur Seite legen und eher vorankriechen, als zu spurten. Natürlich ist Handarbeit kein Wettbewerb, aber bis ich ein Sockenpaar in Größe 42 beendet habe, vergeht so manch eine Woche. Meine Strickfreundin könnte – wäre sie nicht generell eher von der noch fauleren Sorte – relativ schnell ein Paar Socken beenden. Ihre zarte 36er Größe wirkt gegen meine Hobbitfüße nahezu kindlich und ich bin immer wieder ein klein wenig neidisch.

Natürlich haben kleinere Füße auch den Vorteil, dass man aus einem Knäuel Garn deutlich mehr Socken rausholen kann. Meine Schuhgröße 42 verbraucht zwar kein ganzes 400m Knäuel, aber ein zweites Paar Socken wäre auf keinen Fall drin.

Die Freuden der Paddel-Füßler

Während ich meine großen Füße in den ersten Handarbeitsjahren alles andere als erfreulich fand und mich viel zu oft über die Strickzeit und den Garnverbrauch ärgerte, wandelte sich mit der Zeit das Blatt. Ich erkannte irgendwann, dass eine gewisse Größe vom Vorteil sein kann, wenn man bestimmte Ziele verfolgt. Wer es noch nicht kennt, ist meist begeistert und wer es kennt, liebt es: Das Wildern. Wildern bedeutet, dass die (meist handgefärbte Sockenwolle) bei einer bestimmten Maschenanzahl einen Farbverlauf erzeugen, der geordnet im Fluss verläuft, ohne Ringel zu bilden.

Ein weiterer Vorteil ist, dass Muster besonders schön zur Geltung kommen können. Bei einer Größe 36 wirken beispielsweise Zopfmuster auf mich zu wuchtig und lassen den Fuß automatisch noch kleiner erscheinen, während ein langer Fußrücken elegant wirkt. Ebenso zarte Muster oder auch eine Gundelsocke gefallen mir deutlich besser an großen Füßen. Natürlich ist das eine individuelle Geschmacksfrage, die ausschließlich für den kurzen Fotomoment zu tragen kommt. Aber ich mag das Gefühl einen „Model-Fuß“ für meine Stricksocken zu haben 😀

Welche Fersen? Was heißt „Hoher Spann“?!

Während die Schaftlänge und die Länge des Fußes relativ einfach rauszufinden sind, ist die Ferse ein deutlich komplizierteres Thema. Wer einen längeren Schaft möchte, strickt ihn entsprechend lang, wer große Füße hat, strickt eben mehr Runden bis zum Beginn der Spitze. Welche Ferse jedoch für welche Ferse geeignet ist, kann einem offensichtlich niemand anhand von Beispielen sagen. Es tun immer nur alle so, aber wirklich wissen tut es wohl keiner.

In Handarbeitsforen und auf Blogs wird immer wieder komplett selbstverständlich erklärt, bei welcher Fersenform man welche Strickferse verwenden soll und auch auf die absolute Anfängerfrage „Welche Ferse soll ich stricken?“ kommt zu 100%: „Es kommt auf deinen Fuß an.“ – und außer einer relativ allgemeinen Formel folgt keine weitere Erklärung. Gerade Anfänger stehen dann oftmals ratlos im Wald und stricken einfach irgendwas. Nirgends steht geschrieben, wie diese Fersenformen definiert werden. Niemand schreibt dazu, ab wie viel cm ein Spann hoch ist, wann der Rist tief ist und ab welchem Verhältnis zur Breite des Fußes die Ferse ebenfalls als breit gilt. Glaub mir, ich habe danach gesucht – nichts gefunden. In der Communitiy wird komplett selbstverständlich vorausgesetzt, dass jeder die gleiche Definition hat.

An jenem Tag durchforstete ich vollkommen ratlos das Internet und versuchte die für mich optimale Ferse zu finden. Schlussendlich gab ich mich geschlagen und sah ein, dass ich keinerlei Ahnung über meine eigene Fußanatomie habe. Ich stellte die folgenden – zugegeben optisch nicht sonderlich tollen – Bilder in meine Instagram-Story. Ich bat meine Follower um Unterstützung, ob ich einen tiefen oder einen hohen Spann hätte und welche Ferse sie für mich am passendsten fänden.

Das Ergebnis überraschte mich doch mehr, als ich es am Anfang erwartet hätte. Zwar waren sich wohl alle einig, dass die Käppchenferse für mich als eher ungeeignet einzustufen wäre (Gott sei Dank!), aber das war es auch schon. Die Bumerangferse, die runde Bumerangferse, die Herzchenferse und die Tomatenferse waren die am häufigsten genannten. Was allerdings noch verwirrender war, war die Umfrage betreffend meinem Spann. Nahezu 50% waren der Ansicht, ich hätte einen hohen Spann und die anderen 50% meinten, es wäre ein tiefer – und nicht nur das! Es schrieben mich auch ein paar Userinnen an, die komplett überzeugt von ihrer Einschätzung waren und mir erklärten, wieso es so wäre. Ich bedankte mich und strickte meine mir bekannte runde Bumerangferse und das bis heute.

Während sich mein Verhältnis zu meinen Füßen deutlich entspannt hat und ich ihnen verziehen habe, dass sie groß sind, bleibt das Thema „Ferse“ offen. Ich stricke zu langsam und bin zu wenig experimentierfreudig, als das ich mich durch alle Fersenarten durchtesten möchte. Bei meiner Suche nach der perfekten Ferse, ist mir jedoch immer wieder das Buch „Der geniale Sockenworkshop“ (Werbung, da Afiliate-Link) aufgefallen, der offensichtlich die Fersenarten und deren Definition beschreibt. Anhand dieses Buches sollen sich Socken den eigenen Bedürfnissen nach anpassen und wie mit einem Baukasten zusammen stellen lassen. Noch kann ich nichts zu der Qualität des Buches sagen, aber vielleicht lohnt sich die Investition? Falls du bereits Erfahrungen mit dem Buch und seinem Inhalt hast, lasse es mich gerne in den Kommentaren wissen.

Gegner Nummer 2: Die Spitze

Während ich mich auf eine Fersenart festgelegt habe und die Tatsache zu würdigen weiß, dass sie den ein oder anderen cm zu viel oder zu wenig ausgleicht, ist die Spitze ein deutlich nervigeres Thema. Warum? Ganz einfach: Fersen habe ich noch NIE geribbelt, Spitzen dagegen dutzende Male.

Die meisten Spitzen haben eine genau festgelegte Anleitung, wie du wann welche Maschen abnehmen sollst. Ich stricke fast ausnahmslos die Bändchenspitze. Ich bin faul und habe sie mir gemerkt – reicht. Halte ich mich allerdings an die genauen Anweisungen, ab wann ich mit den Abnahmen beginne (z.B. „wenn der kleine Zeh bedeckt ist starten“) und dann alles korrekt durchziehe, kann ich zu 100% ribbeln. Auch bei diesem Thema fällt mir immer wieder auf: Viel zu selten werden in Handarbeitsforen die unterschiedlichen Fußformen thematisiert. Es gibt weder Beispielsammlungen (Warum nicht?!), noch großartige Diskussionen darüber, für wen was geeignet ist. Woran liegt das? Wir können stundenlang über Handarbeit reden, aber über das naheliegendste nicht: Wir sind alle unterschiedlich.

Mein Freund und ich sind ein Paar, was fusstechnisch nicht unterschiedlicher sein könnte. Beide Fußformen unterscheiden sich grundlegend voneinander. Vom großen Zeh an fallen die anderen Zehen meines Freundes rapide ab. Eigentlich müsste ich die Abnahmen an der Spitze nur an einer Seite arbeiten und das in unterschiedlichen langen Etappen, um ein wirklich perfektes Ergebnis für ihn zu erhalten. Ich dagegen habe Paddel. Lediglich die zwei kleinen Zehen sind abfallend, die drei anderen gleichlang. Meine Spitze muss ich also fast bis zur Spitze stricken, um sie dann relativ schnell abzunehmen. Beginnend ab dem kleinen Zeh nehme ich lediglich wenige Maschen ab und gehe sehr schnell in die Phase über, in der ich 1 Runde mit und eine Runde ohne Abnahmen abwechselnd stricke. Ein Bild verdeutlicht vielleicht ein wenig mehr als Worte 🙂

Grundsätzlich ist die Spitze kein Problem, das sich nicht lösen lässt. Allerdings habe ich meine eigene Faustformel noch nicht gefunden. Jedes Sockenpaar wird nahezu individuell gestrickt, angezogen und oft geribbelt. Mittlerweile habe ich jedoch den Fortschritt erlangt, dass ich relativ weit stricke und erst dann mit den Abnahmen beginne. Vielleicht gelingt es mir irgendwann, ein festes Schema auszuarbeiten und mir keine Gedanken mehr machen zu müssen. Wer weiß, aber Daumendrücken kann nicht schaden 😉 So oder so sind Stricksocken meines Erachtens nach bei Weitem komplexer, als es oft den Anschein hat. Die perfekt Sitzende Stricksocke zu stricken und die auf die jeweiligen Bedürfnisse anzupassen ist das Ziel, das ich irgendwann erreichen möchte.


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