Handarbeit. Die Einen denken, dass Pullovergarn günstiger ist als ein Bund Radieschen und die Anderen wissen, was es tatsächlich kostet. Nicht nur, dass die Einen falsch liegen, die Anderen sind dann oft verletzt, wenn der Preis einer Handarbeit nicht wertgeschätzt und noch nicht mal die Materialkosten gezahlt werden wollen.
Gerade zu Beginn einer Handarbeitskarriere kann man sich schnell verschätzen und die Kosten falsch kalkulieren. Damit dir nicht der gleiche Fehler passiert, wie mir, habe ich mich an eine kleine Aufstellung gesetzt. Also, gehen wir rein! 🙂
Die Erstausstattung
Nahezu jede Handarbeit braucht Werkzeug oder/und Materialien, die Geld kosten. Die Einen mehr, die Anderen noch mehr. Die Arbeit mit Garn und Nadeln ist dagegen in der Erstausstattung verhältnismäßig kostengünstig, so könnte man zumindest meinen. Während man jahrelang auf Maschentrenner oder Reihenzähler verzichten kann, wird zu Beginn oft unterschätzt wie viele verschiedene Stricknadeln und Häkelnadeln es gibt. Rundstricknadeln, Jackenstricknadeln, Nadelspiele, ergonomische Häkelnadeln, tunesische Häkelnadeln und dies in alle nur denkbaren Größen und mit verschiedensten Nadelspitzen.
Um die Kosten gering zu halten, habe ich mir am Anfang meiner Handarbeitskarriere die guten alten grauen Rundstricknadeln von Zeemann (?) geholt, die meine Oma schon genutzt hat. Wenig geschmeidig, klobig und störrisch, haben sie mir meine ersten Strickprojekte so erschwert, dass ich das Hobbie fast an den Nagel gehängt habe. Den Tipps aus dem Internet folgend, habe ich die Seile in kochendem Wasser gebadet, ohne Erfolg. Sie blieben ihrem Charakter treu: Unbeugsam, geschmiedet in den Hallen Morias.
Glücklicher Weise war ich ebenso wenig bereit nachzugeben und lies mich nicht (komplett) unterkriegen. Relativ schnell wurde mir klar, dass ich Gefallen am Thema „Handarbeit“ finden könnte, hätte ich nur vernünftiges Werkzeug und – impulsiv wie ich bin – kaufte ich sogleich ein paar „gute Stricknadeln“. Die Kosten der Billignadeln hätte ich mir sparen können, hätte ich gleich in moderne Nadeln investiert. Aber das weiß man halt vorher nicht, wenn einem niemand den direkten Vergleich aufzeigt.
Würde ich heute noch mal mit diesem Hobbie starten, würde ich mir gleich zu Beginn überlegen, was genau ich stricken bzw. häkeln möchte. Sind es eher Sockenprojekte oder doch lieber Schals? Klassischer Weise habe ich mich damals für ein Polyacryl-Monster-Schal in der Nadelstärke 10 entschieden, den ich im Anschluss nie getragen habe. Warum auch? Zwei mal um den Hals gewickelt ist die Kälte das kleinste Problem, dass man an diesem Tag haben wird.
Relativ früh stieß ich auf ein Youtube-Video von Ana Kraft, legte die 10er Stricknadeln zur Seite und lernte mit ihren Videos Sockenstricken. Übrigens: Für mich bleiben Stricksocken das beste Einsteigerprojekt, da man hier viele Basics lernt, ohne das es ein unendliches Projekt wird. Abnahmen, Zunahmen, linke und rechte Maschen, vernähen. Solltest du mit diesem Projekt starten, reicht als Erstausstattung meiner Meinung nach:
- Ein Nadelspiel bzw. eine Rundstricknadel in z.B. der Größe 2,5 (Kosten ca. 7 Euro)
- Stopfnadel zum Vernähen (Kosten ca. 1 Euro)
fertig! Das Schöne an der Strick- oder Häkelnadel ist, dass du einmal die Kosten hast – außer du setzt dich eines Morgens auf die KnitPro Holzstricknadeln… Erst, wenn neue Projekte dazukommen oder deine Stricknadeln unter deinem Gewicht gebrochen sind, wirst du um eine weitere Anschaffung nicht herum kommen.
Eine Schere hat man meist zuhause und Maschenmarkierer liegen ebenfalls überall in greifbarer Nähe. Büroklammern, Dosenverschlüsse, Haargummis ich habe alle schon probiert 🙂 Das Geld kannst du dir zu Beginn sparen.
Das Verbrauchsmaterial
Eine Stricknadel allein reicht natürlich nicht. Garn gibt es in allen möglichen Größen, Farben und Materialien. Die Spannweite ist absurd groß und reicht von einem Euro bis zu 100 Euro das Knäuel. Bei der Kostenkalkulation kommt es natürlich darauf an, was genau du stricken möchtest und wie viel Garn du hierfür brauchst. Greifst du zum handgefärbten Garn oder doch zum Industrieprodukt? Strickst du Socken oder eine Tagesdecke?
Aber bleiben wir bei den Stricksocken als Anfängerprojekt. Auch Sockengarn hat eine große Spannbreite und kann stark zu Buche schlagen. Zu Beginn griff ich ausschließlich zum günstigen Industiegarn und ich erinnere mich noch an meinen ersten Besuch in einem richtigen Garngeschäft. Es war so unfassbar aufregend!Damals sprang ein pastelliges Einhorn-Glitzer-Sockengarn von Lana Grossa in meinen Einkaufskorb und soll ich dir was verraten? Bis heute reicht mir meistens das Industrie-Garn von der Stange aus, wenn ich uns Socken stricke. Trotz intensiver Nutzung haben alle Paare ihre Farbe behalten und noch kein einziges Loch hat sich gezeigt.

Der Kostenpunkt für ein 100 Gramm-Knäuel Lana Grossa Meilenweit liegt bei ca. 7 Euro, handgefärbtes Garn liegt bei 15 Euro aufwärts. Je nach Schuhgröße und Schaftlänge, kann man 1 – 2 Paar Erwachsenensocken daraus stricken. Wer hier etwas an den Kosten sparen möchte, kann auch auf die Sockengarn-Pakete von z.B. Buttinette (Affiliate-link) zurückgreifen. Die 300 Gramm für 16 Euro sind nicht nur einmal in meinem Warenkorb gelandet und bisher war ich immer zufrieden 🙂 Aber Achtung: Worauf du im direkten Preisvergleich jedoch achten solltest ist, dass die meisten Sockengarne 100 Gramm liefern, besonders günstige Sockengarne jedoch oft nur 50 Gramm. Ich bin nicht nur einmal darauf reingefallen. *GRRRR*.
Aber neben dem offensichtlichsten aller Verbrauchsmaterialien gibt es noch weitere wie z.B. Augen für Amigurumi, kleine Brillen, Füllmaterial oder Knöpfe. Aber auch hier kann man ein wenig an den Kosten sparen, indem man mit offenen Augen und Kreativität durch das Leben geht. Du willst eine alte Jacke entsorgen? Schneide die schönen Knöpfe ab und lege sie zur Seite! Irgendwann wirst du sie vielleicht brauchen. Ein Kissen gefällt dir nicht mehr oder du hast keinen Platz mehr? Verwende die Füllung für deine Amigurumis. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Die Strick- und Häkelanleitungen
Auch bei den Strick- und Häkelanleitungen ist für jeden etwas dabei. Du kannst Anleitungen kostenlos auf vielen Plattformen (Youtube, Ravelry etc.) oder auf Blogs finden oder aber 15 Euro ausgeben. Meiner Erfahrung nach lohnt sich vor allem für Anfänger zu Beginn ein Blick in Youtube-Videos, da die bewegten Bilder oft hilfreicher sein können, als eine bebilderte Schritt für Schritt Anleitung.
In meinem Handarbeitsleben habe ich schon viel Geld für Anleitungen aller Art ausgegeben. Zu Beginn waren es oft Amigurumis oder Häkeltücher, nach und nach kamen Strickpullover und Stricktücher dazu. Ob du das machen möchtest oder kannst, kannst du je nach Projekt entscheiden. Irgendwo gibt es immer eine Anleitung kostenlos 🙂
Verzichten solltest du jedoch auf die unerlaubte Weitergabe/Annahme von Anleitungen. Nicht wenige Designer leben von ihrer Arbeit und nur weil du kein Geld hast oder ausgeben möchtest, sollten sie nicht die Leidtragenden sein. Denkt man das Thema zu Ende und niemand gibt mehr Geld für Anleitungen aus, werden die Designer ihren Job aufgeben und wir bleiben ohne diese wundervollen Kreationen zurück. In diesem Blogbeitrag habe ich den Prozess erklärt, der hinter der Entstehung einer Anleitung liegt und vielleicht weckt es ein wenig Verständnis für die Preisgestaltung.
Lebenszeit
Zeit ist ein Kostenfaktor, der oft nicht reingerechnet wird. Handarbeit wird meist romantisiert und zum einfachen Hobbie erklärt. Nicht zuletzt deswegen ist es uns oft unangenehm, die Lebenszeit mit einzukalkulieren, aber warum eigentlich? Wir bezahlen diesen Preis und daher darf auch unsere Lebenszeit ihren Platz in dieser Aufstellung finden.
Ist deine Handarbeit Entspannung, ein Lückenfüller und ein reines Hobbie, ist die Arbeitszeit nebensächlich. Der Weg ist dann bekanntermaßen das Ziel und hat seinen eigenen Gegenwert. Möchtest du dagegen durch eine Handarbeit bei einem Geschenk „sparen“ und strickst nicht um des Strickens-Wegen, dann solltest du diesen Aspekt bedenken. Mittlerweile gibt es relativ viele Anlässe bei denen ich pragmatisch kalkuliere und überlege, ob es sich lohnt das Geld zu sparen und den Rotstift bei meiner Lebenszeit anzusetzen oder ob ich einfach eine Kleinigkeit kaufe. Ja, so unromantisch bin ich.
Mein größter/ teuerster Handarbeitsfehler…
Ich habe ein Projekt, das eine UNSUMME an Geld und mich viele Nerven gekostet hat. Es ist ein Projekt, dessen Ergebnis ich eigentlich liebe, den Entstehungsprozess mochte und doch nie das fertige Strickstück getragen habe. Mein Sorrel-Sweater. Abgesehen von der relativ teuren Anleitung, die aber ihren Preis definitiv wert war, war hierbei das Material das größte Problem. In der Anleitung wird eigentlich Mohair und ein Fingeringarn verwendet. Da ich kein Mohair verstricke und damals die Alternativen fehlten, strickte ich einfach mit einem doppelten Fingeringgarn, da so die Maschenprobe genau aufging. Folglich wurde der Pullover
- extrem schwer
- verdammt teuer
- brettig und eher unbeweglich
Ich musste sogar Stränge des handgefärbten Garns nachkaufen, da es mir mitten im Projekt ausging. Damals war das Garn noch ein paar Euro günstiger, aber insgesamt hat es sicherlich 160 Euro gekostet – Horror!!! Typischer Anfängerfehler: Keine Ahnung von Material, Auswirkungen und Kopfschmerzen beim Gedanken ans „Ribbeln“.
Der Sweater liegt bereits seit JAHREN ungenutzt in meinem Schrank und schon oft habe ich überlegt, was ich mit ihm unternehme. Das Garn ist viel zu Schade und zu teuer, um es nicht angemessen zu verwerten. Zwischenzeitig kam mir die Idee, etwas Neues aus meinem Sorrel entstehen zu lassen. Auftrennen, Ribbeln, etwas komplett Anderes aus ihm stricken. Warum ich das hier erwähne? Weil die Verwendung eines alten Projektes beim Geldsparen helfen kann und Ribbeln weniger weh tun sollte, als Materialien ungenutzt im Schrank liegen zu lassen. Sei mutig und ribbel, was du nicht liebst! Durch die Wiederverwendung von Garnen lässt sich eine beachtliche Summe an Geld sparen und wenn wir alle mal ehrlich durch unsere Kleiderschränke gehen, haben wir alle solche Liegrümchen. Auf jeden Fall werde ich dieses Projekt bzw. diesen Anfängerfehler mit einem Blogbeitrag begleiten, da mir die Wiederverwertung abgeschlossener Projekte viel zu wenig Raum in unserer Handarbeitskultur zu haben scheint. Den damaligen Blogbeitrag findest du übrigens HIER.

Fazit
Ich hoffe, meine Aufstellung hat dir einen ersten Eindruck verschafft, was Handarbeit an Kosten mit sich bringt, aber auch, an welchen Stellen du sparen kannst. Falls du knapp bei Kasse bist und weitere Ideen brauchst, schau gerne auf meinem Blogbeitrag „Handarbeit für den kleinen Geldbeutel“ vorbei. Hier gehe ich noch ein bisschen tiefer ins Thema und vielleicht ist auch dort der ein oder andere Tipp für dich dabei 🙂
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