Nachdem ich vor kurzem noch lauthals in die Welt posaunte, dass ich ausschließlich RVO stricke, hat sich das Blatt nun doch relativ schnell gewendet. Irgendwo muss ich auf Instagram geschrieben haben, dass ich mit dem Sorrel-Sweater liebäugle und ihn gerne stricken würde. Eine aufmerksame Userin hat diesen Hinweis entdeckt und vorgeschlagen, dass wir ihn zusammen frickeln könnten. Kaum hatte ich die Nachricht gelesen und nach kurzem Hin- und Herschreiben verstanden, dass sie es todernst meint, standen mir die ersten Schweißperlen auf der Stirn. Nur, weil ich etwas schreibe, meine ich es doch nicht so! Ich rede viel, wenn der Tag lang ist und träume ständig von schönen Dingen, die ich machen könnte. Das meine Worte tatsächlich gelesen werden und jemand darauf anspringt… wer konnte das ahnen…?

Einige Schockstarren später, hatte ich mich wieder gefangen und war bereit, diese Herausforderung anzunehmen. Ich erhoffte mir einen zweiten Tahiti-KAL, der mich bereits 2019 auf eine neue Strickerebene gehoben hatte und bei dem ich wirklich sehr viel lernen konnte. Ich durchwühlte das Netz nach passenden Garnen und kaufte mir die Anleitung. Ja. Ich kaufte die Anleitung. Kennt ihr den Moment, an dem es kein zurück gibt, ihr aber gerne leise davonschleichen würdet? Während ich die Anleitung durchlas und verstand, dass ich nichts verstehe und noch nicht mal weiß, wie viel Garn ich ordern muss, begann erneut das Herz zu rasen. Um ehrlich zu sein, wäre ich alleine gewesen, hätte ich die Anleitung einfach zur Seite gelegt und ein neues Projekt gesucht. Sicherlich wächst man an Herausforderungen, aber wer hat schon immer Lust darauf? Nein, ich konnte keinen Rückzieher machen. Ich kaufte auf gut Glück endgültig Garn, eine ➥ Rundstricknadel (Werbung), mit der man automatisch einen Sicherheitsfaden einstricken kann, kämpfte mich durch eine Maschenprobe hindurch und begann zu stricken.

Ich muss erwähnen, dass die liebe Userin mir sehr weitergeholfen und mich durch meine Startschwierigkeiten hindurch getragen hat. Weder die Maße habe ich verstanden, noch die Anzahl der zu strickenden Wiederholungen. Geduldig hat sie es mir erklärt und so wuchs der Sweater recht schnell und ohne auch nur einen einzigen Fehler zu produzieren. Mittlerweile habe ich den Yoke beendet und muss mir überlegen, ob ich ihn verlängere, damit ich die Arme schließen kann oder ob ich lediglich neue Maschen unter den Armen aufnehme, damit es nicht zu labberig wird. Ein Problem, vor dem es mich bei jedem Pullover immer wieder gruselt und für das ich noch keine wirkliche Lösung gefunden habe. Meine Arme sind leider zwei Kleidungsgrößen größer, als mein Körper und was im ersten Moment lustig klingt, ist in der Strickpraxis wirklich nicht einfach umzusetzen. Vorerst habe ich das Schätzchen zur Seite gelegt und werde über die freien Ostertage mal rumprobieren. Bis jetzt kann ich die Anleitung wärmstens empfehlen, da das Muster ausdrucksstark und doch so einfach zu stricken ist. Die Probleme, die andere mit den verschränkt linksgestrickten Maschen haben, konnte ich nicht nachvollziehen. Bisher glitten die Maschen wie von selbst über die Nadeln und das doppelt genommene Garn hat zwar einen enorm hohen Verbrauch und ich kann noch immer nicht sagen, wie viel Knäuel ich unterm Strich benötige, aber es wird ein wahres Prunkstück! Probiert die Anleitung aus und verlinkt mich gerne auf euren Instagram-Fotos (woll.verine)!

Ich habe zwar den Hashtag #sorrelsweater abonniert, aber es gehen mir trotzdem regelmäßig die Bilder durch die Lappen und das obwohl ich den Sweater wirklich wunder- wunderschön finde! Ich denke sogar darüber nach, einen zweiten Sorrel zu stricken, allerdings in einer dünneren Version. Falls ich also tatsächlich meinen ersten Versuch erfolgreich beende, bin ich zu 85% bei einem KAL dabei! Ich halte euch auf jeden Fall auf dem Laufenden, ob ich am Ende meiner Strickreise ein tragbares Ergebnis mein Eigen nennen kann.

Update 03.04.2021: Nachdem ich kurz pausiert habe, geht es nun weiter! Innerhalb eines Tages, habe ich die verkürzten Reihen am Rücken gearbeitet, die Ärmel geschlossen und ca. 8cm vom Body gestrickt – dem doppelten Faden sei Dank! Aktuell bin ich mir nicht sicher, ob der Sitz unter den Armen gut ist oder ob ich 2-3 Maschen mehr aufnehmen muss. Grundsätzlich soll es zwar locker sitzen (Klamotten dürfen mich NIRGENDWO kneifen!), aber ich möchte zur Abwechslung keinen Schlabberpullover produzieren. Mein Plan für die Ostertage sieht also vor, dass ich die Ärmel jeweils 5-10 cm stricke und den Pullover dann noch mal anprobiere. Sollte es dann noch immer bequem sitzen, werde ich es so lassen.

Update 03.10.2021: Wer meinen Blog verfolgt weiß, dass der Sorrel in einem absoluten Desaster endete. Auf Grund meiner zu dicken Arme (zwei Nummern größer als der Körper s. Blogbeitrag) habe ich je Arm 18 statt 11 Maschen aufgenommen. Zusammen mit den verkürzten Reihen ergab sich eine riesige Beule am Rücken und ich musste den fast fertigen Körper + die bereits angestrickten Arme aufribbeln. Es gestaltete sich als äußerst schwierig, da ich mit doppeltem Garn gefadet habe und meine Laune im Keller war. Ich habe ein halbes Jahr gebraucht, um meinen Ärger zu verdauen und kann nun voller Freude verkünden, dass ich mich erholt habe. Zwar weiß ich nicht, wie ich mein Problem lösen kann, aber ich stehe nun am Ausgangspunkt vor den verkürzten Reihen und werde sie wahrscheinlich einfach weglassen… Drückt mir die Daumen!!!

Update 03.03.2022: Er lag lange in der Schäm-Dich-Kiste. Sehr lange…
Aber: Vor zwei Wochen passierte es! Es rappelte mich und plötzlich war der Moment gekommen, ihm zu vergeben und das Projekt erneut in Angriff zu nehmen. Ich ribbelte und korrigierte, fuchste mich erneut in die Anleitung rein und strickte einfach los. Durch den doppelten Faden und dem stumpfen Gestrickte von rechten Maschen, brauchte ich nicht lange und konnte den Rumpf beenden.

Ich hatte einen absoluten Lauf und war mir zu 100% sicher, das Projekt binnen weniger Tage abschließen zu können. Es standen 6 freie, erholsame und strickreiche Tage an, die ich nur für mich nutzen und mir viel Gutes tun wollte. Die letzten zwei Jahre und die Arbeit haben Spuren hinterlassen, die ich ein wenig lindern wollte. Es kam allerdings, wie es kam und ohne hier auf das Details eingehen zu wollen, brach der 24.02.2022 über die Welt herein und seitdem stockt auch wieder der Sorrel. Heute ist der erste Tag, an dem ich mich ein wenig berappeln und sammeln möchte. Schnell wird der halbe (!) Arm nicht von den Nadeln gehen, da ich einfach zu unkonzentriert bin, aber ich werde mir die Zeit nehmen, die ich brauche.


Ladys and Gentleman, am 07.03.2022 war es soweit, der Sorrel fand einen Abschluss und es wurden sogar alle 3.918.278 Fäden vernäht 😀 Ich liebe den Pullover sehr, auch wenn ich die Mehraufnahmen der Maschen leider am Körper nicht abgenommen habe und er dadurch etwas groß ausfällt. Er ist ein wunderbar kuschelig und – für mich – ein Meisterwerk geworden. Gewaschen wird er allerdings erst, wenn ich Lust dazu habe. Er ist so unfassbar war, dass er sowieso erst im kommenden Winter getragen werden kann 😀

Traut euch ran, die Anleitung ist wirklich einfach.


Falls dir mein Blogbeitrag gefallen hat und du ihn mit anderen teilen möchtest, findest du hier meinen Pinterest-Pin: