Die rechte Gehirnhälfte steht für Kreativität, Intuition und Emotionen, während die linke Seite eher für strukturieren, analytisches und logisches Denken steht.

Sicherlich kann man in einer akuten Situation nur schwer sagen, welche Seite des Gehirns gerade mehr beansprucht wird, allerdings gibt es Menschen, die zumindest eine deutliche Tendenz erkennen. Zum Beispiel mich. Grundsätzlich liebe ich es, Situationen und Menschen zu analysieren, aktiv zu „denken“, logisch und pragmatisch Dinge in Angriff zu nehmen und Probleme eher sachlich zu betrachten. Allerdings gibt es bestimmte Dinge, die ich niemals (Und da können meine ehemaligen Mathe- und Englischlehrer sich auf den Kopf stellen!) können werde. Sachverhalte, bei denen man mit Zahlen jonglieren muss, neue Sprachen, die es zu erlernen gilt und selbst die eigene Muttersprache, mit ihren unterschiedlichen Zeiten und Regeln, sind für mich eine Qual. Ich kapiere es nicht, es bleibt nichts haften und es hagelte in allen „logisch dominierten“ Fächern schlechte Noten – und auch auf meine Großhirnrinde war noch nie Verlass, während meine linke Gehirnhälfte gemütlich die Schlummertaste drückt. Egal, wie sehr ich mich anstrengte und es noch immer tue, es gelingt mir nicht. Das war früher so und hat sich bis heute nicht geändert. Während mich in der Schule die Lehrer quälten, kann ich heutzutage einfach vielen Dingen aus dem Weg gehen.

Vielen Dingen.
Aber nicht der Maschenprobe.

Maschenproben haben mich innerhalb von kürzester Zeit wieder an meine grausige Schulzeit erinnert. Ich verstehe, welchen Zweck sie haben und wie wichtig sie sind. Aber was bringt es mir, wenn ich es nicht berechnen kann? Unzählige Hilfestellungen habe ich mir bereits durchgelesen, mir einen praktischen Zählrahmen (Werbung) besorgt und für mein aktuelles Problem jedoch noch keine Lösung gefunden. In diesem Blogpost geht es nicht darum, dass ich euch erkläre, wie ihr eure Maschenprobe bezwingt – wie auch? Es wäre mühsam von anderen Seiten zusammengeklaut und ich würde mich mit fremden Federn schmücken. Das möchte ich nicht. Es geht mir lediglich darum euch zu sagen: Ihr seid nicht allein! Ihr rechte-Gehirnseite-User.

Maschenprobe mit Zeichnung Stricktuch

In meinem Fall habe ich mir einen wundervollen Sweater rausgesucht, dessen Maschenprobe 20 Maschen x 28 Reihen ergibt. Soweit so klar, meine Probe ergibt 26 Maschen x 38 Reihen. Wäre es keine Anleitung, sondern ein eigenes Projekt, bei dem ich einfach meine Halsweite ausmesse und auf 1cm runterrechnen muss, würde ich wahrscheinlich nach einigen Stunden ein – halbwegs belastbares – Ergebnis auf meinem Papier stehen haben. In diesem Fall weiß ich jedoch nur, wie viele Maschen ich anschlagen muss, um mit der vorgegebenen Maschenprobe die gewünschte Endgröße zu erreichen. Für mich liest sich ungefähr so: Du hast vier Hühner, die nachts ein Ei legen. Wie lange brauchen 5 Kühe, um ein Kilo Gras zu fressen? So manch einer mag gerade müde lächeln und mein Problem als eher gering einschätzen. Tatsächlich sitze ich jedoch bereits seit 2 Tagen an einer Lösung und bin noch kein Stück weitergekommen. Früher hätte ich mich geschämt, zumal ich nahezu mein ganzes Berufsleben von Mathematikern umgeben bin (welch Ironie), aber heute weiß ich, dass ich dafür ganz andere Talente habe. Talente, die andere nicht besitzen und die mir wieder rum viele Vorteile verschaffen. Gut. Bei Maschenproben helfen mir weder Empathie noch Kreativität, aber auch hier werde ich eine Lösung finden 🙂 Viele Ratschläge kann ich euch also nicht zu diesem Thema geben… außer vielleicht, voller Einfühlungsvermögen und Verständnis, dass ihr nicht zu streng mit euch sein solltet. Wenn ein Thema sich nicht in eurer Talentzone befindet, dann ist es so. Verzeiht es euch, gebt nicht auf und seid freundlich mit eurer schwächeren Hirnhälfte 🙂

Kleiner Nachtrag zum aktuellen Gestricke: Das Garn doppelt genommen und mit Nadelstärke 4 gestrickt, ergibt genau die vorgegebene Maschenanzahl. Das macht den Pullover zwar um einiges teurer, aber auch richtig warm und kuschelig! An der Stelle möchte ich jedoch auch erwähnen, dass ich mich mit meiner Frage an die Instagram-Community gewandt habe und mir ganz viele das Ergebnis nennen konnten. In meiner ursprünglich geplanten Fingering-Stärke hätte ich 135 Maschen anschlagen müssen.


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