Inspiration. Was für ein schönes Wort! Die meisten Kreativen müssen nichts für Ihre Ideen tun, es sprudelt aus ihnen heraus und erst die harte Umsetzung bedeutet „Arbeit“. Andere müssen sich dagegen ihre Inspiration mühsam antrainieren, aber unmöglich ist es nicht! In diesem Beitrag möchte ich gerne allgemein über meine Inspirationen sprechen, die Vor- und die Nachteile, wie es sich auf meine Handarbeiten und mein Leben auswirkt.

Ich gehöre – leider – zu denen, die sich durch absolut alles und jeden inspirieren lassen. Es ist DIE Eigenschaften an mir, die ich am meisten liebe. Mir sprudeln nahezu pausenlos Ideen im Kopf herum und eine Idee führt unweigerlich zu einer Neuen. Wenn ich dann auf ein Gegenüber treffe, dass über die gleiche Eigenschaft verfügt.. Oh weh dem, der dazwischen sitzt. Ich liebe es, nie lange überlegen zu müssen, wenn ich einen kreativen Einfall brauche. Es hilft mir in allen nur erdenklichen Lebenslagen, da sogar trockene, langweilige Themen hin und wieder ein „Ums-Eck-Denken“ brauchen. Es ist die die gedankenverlorene Leichtigkeit, die kreativen Menschen Flügel wachsen lässt und sie in so manch einer Situation rettet.



Warum also das Wort „leider„?
Das hat verschiedene Gründe. Zum einen den ganz simplen, dass der Tag nur 24 Stunden hat. Ich habe täglich dutzende Ideen, die ich nur allzu gerne umsetzen würde. Manche sind verrückt und manchmal sind sie weniger verrückt. Um meine Ideen sinnvoll in die Tat umsetzen zu können, musste ich priorisieren lernen und bin noch längst nicht am Zenit der Lernkurve angelangt.

Zum anderen stoße ich allzu oft an Grenzen. Es sind meistens keine Grenzen, die ich selber wahrnehme, sondern die der anderen. Um es dir ein wenig greifbarer machen zu können: Mein Kopf ist der Hasenbau, in den Alice gefallen ist. Ich lebe geistig im Wunderland. Hätte ich keinen Partner, würde meine Wohnung absolut verrückt aussehen. Große Pilze als Stühle, riesige Spinnennetze in Ecken, überall Pflanzen, fluoridierende Tierfußspuren, Wolken und vieles mehr. Es wäre eine Mischung aus Harry Potter, Hutmacher und meinen geliebten Horrorfilmen. Natürlich kann ich solche Visionen nicht umsetzen, wenn ich mit jemanden zusammenlebe. Aber auch im Kleingarten kann ich leider nichts so machen, wie ich gerne würde. Ich hätte schon längst einen Mini-Irrgarten, verrückte Skulpturen, ein verrücktes Gartenhäuschen, überall Laternen, Lichter, Wege für die Sinne und altertümliche Bauerngärten. Auch dort hat mein Freund ein Mitspracherecht und leider auch das Bundeskleingartengesetz (Werbung, absolut ohne Überzeugung. Sieh, was mich quält!).

Wie es ist, dauerhaft verrückte Ideen zu haben, sie aber nicht ansatzweise ausleben zu können? Ganz einfach: Wie fühlt sich ein Vogel, der Flügel hat, aber mit ihnen nicht fliegen kann? Ich glaube, das Beispiel passt ganz gut, wobei der Vogel wahrscheinlich ärmer dran ist. Aber es sind eben genau die Flügel, die gestutzt werden, die einem sonst diese bezaubernde Leichtigkeit verleihen. Letztendlich reihe ich mich in dieser Welt ein, wie alle anderen auch. Ich arbeite täglich in einem ÄUßERST trockenen Beruf und werde nach Feierabend von meinem Partner gezähmt und in Schach gehalten.

Ich glaube, die meisten von „uns“ suchen sich einen Ausweg. Ein kleines Schlupfloch, in das sie fliehen und sich kreativ austoben können. Die meisten alltäglichen Themen sind leider mehr oder weniger tabu. Vor Kurzem hatten wir erst eine Diskussion über Wanddekoration und ich habe verloren. Zugegeben, ich verstehe sogar, warum mein Partner es verrückt findet und diese spezielle Idee nicht möchte. Welche Bereiche bleiben noch, wenn Wohnung, Garten und leider auch der Beruf nicht so gelebt werden können, wie man sich eigentlich wohlfühlt? Ganz einfach: Hobbies! Hobbies sind die Schlupflöcher, die kreative Geister nicht durchdrehen lassen. Die einen malen, die anderen erfinden, wieder andere schnitzen oder formen Skulpturen, zeichnen, erschaffen Welten voller Hobbits und Trolle und wieder andere gehen Handarbeiten nach. Doch… während die Ideen nur so auf mich einprasseln, lassen die Talente dagegen zu wünschen übrig. Vor einigen Monaten hätte ich meine Handarbeiten sofort gegen „richtig“ gutes Schreiben oder Zeichnen eingetauscht. Natürlich klingt dies für jeden Handarbeiter und jede Handarbeiterin wie blanker Hohn, aber nur so hätte ich meine Individualität voll ausleben können. Meine Visionen, Vorstellungen und Wünsche hätten Gesichter und Farben, ich könnte jeden an den wirren Gedanken teilhaben lassen und vielleicht den ein oder anderen mitreißen.


Mittlerweile habe ich eine kleine, aber feine Ergänzung gefunden. Meine Liebe zum Schreiben kann ich durch den Block ein wenig ausleben und vielleicht auch durch ihn die ein oder andere Person in irgendeiner Art und Weise beflügeln. Zugegeben, die verdrehtemasche ist kein Auenland, aber es ist eine kreative Ergänzung, die mir eindeutig noch gefehlt hat. Meine Blogbeiträge schreibe ich von oben nach unten in einem Stück runter und lese sie im Anschluss nur noch Korrektur, um grobe Rechtschreibfehler auszumerzen. Jeder Artikel ist quasi unreflektiert und so geschrieben, wie ich mich gerade fühle. Es kommt häufiger vor, dass ich bei einem Blogbeitrag kurz überlege, ob ich ihn komplett umschreibe, aber gemacht habe ich es bisher nicht. Ist es authentisch oder einfach unprofessionell – wer weiß? Es ist auf jeden Fall frei aus dem Bauch heraus, weswegen manchmal die Überschriften nicht zu 100% zum Artikel passen. Das liegt einfach daran, dass ich beim Schreiben der Verselbstständigung freien Lauf lasse und mich nicht durch ein „geplantes“ Thema eingrenzen lassen möchte. Mit anderen Worten: Ich schwafle gerne. Ich bin mir bewusst, dass mich dieses Vorgehen von anderen Seiten/Blogs unterscheidet und der Leser bzw. die Leserin nicht immer den Inhalt so bekommt, wie er in der Überschrift versprochen wurde. Mir bleibt nur zu hoffen, dass mir niemand seine geklaute Lebenszeit krumm oder übel nimmt.

Eine weitere, kreative Ergänzung sind meine Strick- bzw. Häkelanleitungen, an denen ich mich mittlerweile immer mehr versuche. Allerdings sind auch diese zumeist nur ein trauriger Abklatsch von dem, was in meiner Fantasie entstanden ist. Hierbei stoße ich jedoch immer wieder an die Grenze des mir Machbaren, da Handarbeiten zwar immer mehr zu einer Leidenschaft, jedoch keinesfalls zum Steckenpferd geworden sind 🙂 Dieser Umstand macht mir jedoch nichts, denn nach und nach wird sich diese talentfreie Zone verkleinern, wodurch ich mehr und mehr die Chancen erhalten werde, meine Fantasie in die Wirklichkeit umzusetzen. Solange nutze ich die Liebe zur Fotografie dafür, die eine oder andere kleine Botschaft zu verstecken oder ein Gefühl von dem zu vermitteln, wie es mir gerade geht und wie ich das Projekt wahrnehme. Ich bin fest davon überzeugt, dass niemand ein Profifotograf sein muss, um Gefühle und Stimmungen zu transportieren und entschuldige mich im gleichen Atemzug bei allen Fotografen, die ihr Handwerk ordentlich und mit allen dafür notwendigen Kniffs gelernt haben. Ich beziehe mich dabei lediglich auf meinen kleinen Hobbiebereich und würde niemals auf einer Hochzeit auftauchen 🙂

Stricksocken Restesocken lila pink handgefärbte Wolle Garn


Ich wurde schon oft gefragt, wie ich auf Ideen komme, woher meine blühende Fantasie stammt und so genau konnte ich die Fragen nie beantworten. Fantasie kann man trainieren, wie jeden Muskel und jedes Geschick. Wer seit Geburt an über diese wundervolle Gabe verfügt, hat sie einfach als Charaktereigenschaft mitgegebenen gekommen und ich achte auch im Erwachsenenalter peinlich genau darauf, dass sie mir nicht verloren geht. Es sind Tiere oder auch Menschen, die mich auf Ideen bringen, eine kleine Blume, ein toter Baumstamm oder eine kleine Fläche Moos, die meine Fantasie erwecken. Natürlich gehören genauso Filme dazu, Bücher oder Geschichten, die andere an einem gemütlichen Abend und mit gutem Essen berichten. Es kommt und es fließt einfach. Meine Hochbeete wollte ich schon seit Jahren mit Türen, Fenstern und Gardienen verschönern, da sie mich an kleine Zwergenhäuser erinnern. Warum dieses (JA!) Talent so wenig Anerkennung und Beachtung in unserer Gesellschaft erfährt, wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben. In der Schule werden nur harte Fakten beurteilt und Träumer, wie sie oft abfällig genannt werden, bleiben hinter den Erwartungen zurück. Für mich steht jedoch fest, dass es kein schöneres Talent, keine schönere Gabe gibt. Wenn die Wolken am Himmel Geschichten erzählen, die hohen Gräser im Garten zu Urwäldern mutieren und der Sonntagskuchentisch zu einem Sammelsurium aus verschiedensten Dekomaterialien, Blumen und Farben wird, dann fühle ich mich wohl. Ich habe lange, wirklich lange gebraucht um diese Charaktereigenschaft so positiv anzunehmen, wie ich es heute tue. Vielleicht fehlte mir ein Vorbild oder auch eine Nische, in der ich mich ausleben kann. Mit den Jahren habe ich jedoch erkannt, dass man sich jedes Wissen dieser Welt – mal mehr, mal weniger – mühsam aneignen kann und stumpfes Auswendiglernen einen Wissensstand aufbauen, aber nicht darüber hinaus schauen lässt. Ich habe mich als Träumerin akzeptiert und weiß diese Eigenschaft mittlerweile gut einzusetzen. Nicht immer gelingt es mir und ja, ich würde viel lieber mehr davon ausleben, aber Stückchen für Stückchen arbeite ich mich vor. Mit jedem kleinen Erfolg werde ich mutiger, selbstsicherer und lasse immer wieder zu, dass meine blühende Fantasie die Oberhand gewinnt und immer mehr Menschen den wahren Wert von Träumern erkennen.

Lass uns Träumer träumen und vielleicht folgst du uns einfach. Folgst uns in die entferntesten Welten, in die tiefsten Meere, auf die höchsten Berge und siehst, was wir sehen und allen anderen verborgen bleibt. Nur zu gerne nehme ich jeden mit auf diese Reise und ich habe das positive Gefühl, dass meine fantasievolle Zeit noch längst nicht abgelaufen ist. Ich spüre, wie mein inneres Kind mir auf die Schulter klopft und sich freut, dass ich noch immer im Regen tanzen und im Badeschaum Eisberge sehen kann 🙂 Siehst du sie auch?


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