Ich war zu Beginn meiner Handarbeitskarriere absolut blauäugig und bin jedem „typischen Anfängerfehler“ hinterhergelaufen, sobald er meinen Namen gerufen hat. Manche haben Zeit, Andere Geld, aber nahezu alle haben mich Nerven gekostet. Damit du nicht dieselben Fehler machst, habe ich dir mein ganz persönliches Fehlerprotokoll zusammengestellt 😉 Falls du dagegen schon deine ersten Erfahrungen gesammelt hast oder sogar schon ein alter Hase bist, freue ich mich, wenn du die Liste um deine persönlichen Fehler ergänzen kannst.
Das Fehlerprotokoll
Zu viele Materialien kaufen
Ich sags mal so… den Fehler habe ich noch immer nicht ganz aus meinem Leben radiert, aber ich bin schon besser geworden. Der Unterschied ist jedoch, dass ich mittlerweile grob weiß, bei welchen Dingen ich meine Lust nicht verlieren werde und was ich auch in Zukunft verwenden kann. Gerade zu Beginn neigen jedoch manche Personen *hust* dazu, zu viel von allem Möglichen zu horten. Relativ schnell musste ich einsehen, dass meine gekauften Billig-Stricknadeln ersetzt werden müssen und ich gar nicht so viel Polyacrylgarn in der Nadelstärke 10 brauche, wie ich anfangs dachte. Beides wurde entsorgt und hätte vermieden werden können. Die aktuelle Trendfarbe ist Neongelb? Prima! Wirst du es tragen? Nein? Dann lasse es. So vermeidest du volle Kisten mit ungenutztem Garn, sparst Geld und letztendlich auch Druck. Plane deine Projekte und kaufe nur mit Bedacht mehr, als du aktuell verarbeiten kannst.

Billiges Werkzeug
In meinem Blogbeitrag „Wie viel kostet Handarbeit wirklich?“ habe ich bereits thematisiert, dass man „billig“ oft doppelt kauft. Am Anfang weiß man noch nicht, was ein gutes Werkzeug ausmacht und welche Nadelspitze, welche Form einem am besten gefällt. Würde ich heute noch mal von vorne beginnen, würde ich in ein Fachgeschäft gehen und mich ausgiebig beraten lassen. Fass die Stricknadeln an, vergleiche sie und du wirst einen Unterschied erkennen. Nichts ist frustrierender, als wenn man etwas Neues lernt und der eigentliche Gegner nicht die Technik, sondern das Werkzeug ist. *Grrrr, graue Zeemann-Stricknadeln GRRR*
Verschwendung von Materialien
Seitdem ich Amigurmuis häkle, behalte ich viele Materialien, die ich zuvor entsorgt hätte. Zu entsorgende Kleidung wird auf „Wiederverwertbarkeit“ abgegrast, Knöpfe abgeschnitten oder auch kleinere Applikationen und auch Garnreste werden nicht achtlos entsorgt. Meine Temperaturdecke verursachte relativ viele Fäden, die ich als Füllmaterial gesammelt und in meinem Halloween-Teddy gestopft habe. Sind die Garnreste größer, kannst du aus ihnen Pompoms, Glückswürmchen und vieles mehr zaubern. Aber auch Sockengarn-Reste wirst du lieben, wenn du einmal in die Ringelsockenwelt eingetaucht und so verliebt bist, wie ich es bin <3
Licht? Wofür?
Gerade in den kalten Monaten kann es sein, dass es eigentlich zu dunkel ist, um zu häkeln oder zu stricken. Oft merkt man gar nicht, wie sehr man seine Augen belastet und wenn man es merkt, ist es oft zu spät. Sorge direkt für eine gute Beleuchtung, vermeide dadurch Probleme mit den Augen und Fehler im Muster. Mehr über Augengesundheit kannst du in meinem Blogbeitrag „Deine Hände stricken, deine Augen streiken?“ nachlesen. Lohnt sich auch für die alten Hasen unter uns!
UFOs…
Puh, eigentlich darf ich gar nicht zu weit den Rand aufreißen und doch möchte ich dir den Tipp mit auf die Reise geben: Achte darauf, nicht zu viele unvollendete Projekte gleichzeitig in den Kisten zu horten. Schnell lässt man sich begeistern und beginnt ein neues Sockenpaar, ein Häkeltuch oder einen Amigurumi-Elefanten. Beende deine Projekte oder habe zumindest du Kontrolle über sie. Ich verspreche dir, irgendwann wirst du sie sonst verlieren. UFOs aktiv vermeiden bedeutet, dass du Platz, Nerven und ggf. sogar Geld sparst. Das Kind ist in den Brunnen gefallen? Dann schau mal in DIESEM Blogbeitrag vorbei.
Das überschätzte Gedächtnis
Notiere dir unbedingt (!) welche Nadelgröße zu verwendet hast, sofern du dein Projekt vorerst nicht weiterhäkeln möchtest oder die Strickmaschen stilllegst. Ich verspreche dir, du wirst sie nach einigen Wochen nicht mehr wissen. Notiere dir auch die Farbe, die du verwendet hast, wenn sich zu viele im Stash ähneln. Überschätze ebenso nicht dein Gedächtnis, wenn es um das Stick- oder Häkelmuster geht. Mach dir Notizen bei allem, was später noch relevant sein kann. Ich habe bestimmt 5 offene Blogbeiträge die ich nur deswegen noch immer nicht veröffentlich habe, weil ich einfach nicht mehr weiß, was ich getan habe. Und nein, ob es die Stricknadel 2,25 oder doch die 2,5 war, erkennst du nicht auf den ersten Blick und auch nicht immer mit ein paar gestrickten Maschen.
Planlose Handarbeit
Es ist nicht schlimm, wenn du deine Stricksocken-Projekte ungeplant angehst. Strickst du jedoch eine 2x2m Decke ohne Plan und Idee, wirds schon schwieriger. Warum? Ganz einfach! Stell dir vor, bei der Hälfte der Decke geht dir das Material aus und du kannst derzeit kein neues kaufen. Lieferengpässe oder eine knappe Kasse sind nichts Ungewöhnliches, aber auch nicht die einzigen Risiken. Was ist, wenn du mittendrin merkst, dass du gar nicht die Zeit hast, das Projekt bis zum Geburtstag zu beenden? Oder dir der Schnitt des neuen Strickpullovers doch nicht steht? Was du planen kannst, solltest du planen.
Social-Media weiß, was mir gefällt
Wenn Social-Media eins kann, dann ist es influencen. Es redet dir ein, was du magst, was du willst und was du stricken wirst. Obwohl ich die Mechanismen kenne und schon ein paar Jahre Handarbeit auf dem Buckel habe, falle selbst ich hin und wieder darauf rein. Es gab nicht wenige Handarbeitstrends, die ich mitgestrickt oder gehäkelt habe und hinter her dachte „Why?„. Nüchtern betrachtet waren es oft Trends, die weder meinem Geschmack noch meinem Können entsprachen und die mich oft frusteiert und mit weniger Geld zurückließen. Du musst nicht jedem neuen Hashtag folgen – Mach dir deine eigenen!
Angst vor dem Versagen
Ich glaube, Blogger-Kolleginnen und Kollegen würden diesen Punkt genau andersrum aufziehen und dir raten, dass du dich nicht mit zu schwierigen Projekten geißeln sollst. Sie würden dir raten, ausschließlich mit leichten Projekten zu starten, damit du den Mut und die Motivation nicht verlierst. Ich sehe es jedoch anders. Ich glaube, jeder kann am Anfang alles stricken oder Häkeln, was er möchte, solang er keine Angst vorm Scheitern hat. Linke Machen nerven, egal ob du sie zu Beginn in einen hässlichen Polyacryl-Schal mit der Nadelstärke 10 verwurstest oder dich an einem Pullover-Bündchen mit der Nadelstärke 4 versuchst. Ich bleibe auch dabei, dass Stricksocken für mich das perfekte Anfängerprojekt sind, da man hier viele Techniken lernt und das Projekt nicht ewig dauert. Scheitern wirst du am Anfang eh, warum nicht bei einem Projekt, das hinter her auch Verwendung findet? Wenn es auch nur den Funken Motivation in dir gibt, dich direkt an einem Pullover zu versuchen, dann stricke den Pullover. Lass es dir nicht rausreden.
Lerne dein Fehler-Management
… und wo wir gerade beim „Versagen“ sind: Lerne direkt zu Beginn, Fehler zu korrigieren. Es hat bei mir erstaunlich lange gedauert, bis ich mich an die Korrektur von Maschen rangetraut habe. Ich hätte mir mein Handarbeitsleben viel einfacher gestalten können, hätte ich gleich zu Beginn gelernt, wie ich eine fallen gelassene rechte Masche rette oder auch zurückstricke. Fehler gehören am Anfang dazu, sie zu korrigieren sollte daher genauso Raum in deinem Lehrplan finden.
Weitere Tipps und Tricks rund um das Thema Ribbeln, findest du in meinem Blogbeitrag „Das Ribbelmonster„. Hier erkläre ich dir auch, wie du eine Sicherheitslinie ziehen kannst, bevor du dir unnötig Arbeit machst.

Die Jagd nach Perfektion
Ich verstehe, warum man ein perfektes Ergebnis haben möchte. Wirklich. Aber es ist Handarbeit und hier passieren Fehler, ob du das möchtest oder nicht. Du stehst noch am Anfang deiner Strick- oder Häkelkarriere und dir stehen noch tausende falsch gestrickte Maschen bevor. Lach drüber und behalte deine ersten Stücke in Ehren. Mit jedem Projekt wirst du besser, wird dein Maschenbild sauberer und du erkennst Fehler mit nur einem Blick. Genieße die Reise und irgendwann blickst du auf deine ersten Projekte mit einem Lächeln zurück und freust dich, diese Zeitreise machen zu können.
Eine kleine Anekdote hierzu: Zu meinem Geburtstag hat eine Freundin mich zu einem Töpfer-Nachmittag eingeladen. Alle anwesenden Frauen waren blutige Anfängerinnen und niemand von uns wusste, was genau sie tut. Von 10 Frauen war ich die Einzige, die entspannt und ruhig ihre Kugel geformt hat. Alle Anderen waren gestresst und blätterten permanent durch ihr Pinterest Album. Es fiel SO oft die Anmerkung „das es nicht perfekt aussähe“, dass die Kursleiterin sich den Hinweis nicht verkneifen konnte, dass man vielleicht doch besser in einem Geschäft das fertige Produkt kaufen sollte. Durch die Handarbeit habe ich gelernt, dass jedes Handwerk Übung braucht und ich gar nicht perfekt sein KANN, wenn ich noch nie eine Tasse getöpfert habe. Das Wissen darum, hat mir einen echt schönen Nachmittag bereitet, in dem der Weg das Ziel war und nicht die Pinterest-Vorlage.
Maschenproben sind überflüssig
Ich springe gerade sehr hart über meinen Schatten, diesen Punkt mit auf die Liste zu nehmen. Wer meinen Blog kennt weiß, dass ich nahezu nie eine Maschenprobe anfertige. Nicht nur, weil ich zu faul, sondern leider auch ein bisschen zu dumm dafür bin 😀 Aber der Vollständigkeit halber muss erwähnt sein, dass sie durchaus Sinn machen, wenn der Pullover gut sitzen soll. Dieser Hinweis muss aber reichen – Püh.
Fazit
Wie du vielleicht schon gemerkt hast, bauen viele Fehler aufeinander auf und führen zu einer Kette von Problemen. Hast du planlos ein Projekt gestartet und kommst so schnell nicht an Materialnachschub ran, wird dein geliebtes Projekt zum UFO. Liegt es dann mehrere Wochen rum und du möchtest voller Eifer weiterarbeiten und du hast die Nadelstärke vergessen, setzt die Frustration ein. Natürlich wirst du am Anfang viele der Fehler machen, egal ob ich diesen Blogbeitrag schreibe oder nicht. Ich selbst mache die Hälfte von ihnen noch immer, lasse mich zu schnell von Trends mitreißen, kaufe im Sonderangebot ein Knäuel auf Halde und überschätze regelmäßig mein Gedächtnis. Im Eifer des Gefechtes kann das passieren, aber vielleicht hilft dir die Liste, dass du nicht alle gleichzeitig am Anfang machst 🙂
Falls dir mein Blogbeitrag gefallen hat und du ihn mit anderen teilen möchtest, findest du hier meinen Pinterest-Pin:
