Ach du Strick!

Der einfache Endlosschal

Die einen haben viele Garnreste, die anderen Garnadventskalender, bestehend aus 2 Dutzend kleinen Ministrängen, aber alle haben eines gemeinsam: Keine Ahnung, was sie mit den Materialien anfangen sollen. Viele Garnkalender liefern direkt eine Anleitung mit, aber bei Weitem nicht jeder und wer keinen Garnkalender hat, sondern nur Reste, wird sich oft schwer tun, eine passende Anleitung zu finden.

Bereits vor meinem ersten gekauften Garnkalender wollte ich mir einen gestrickten Schal (bzw. eine Stola) zaubern, der ohne viel Nachdenken funktioniert, endlos erweiterbar und trotzdem etwas individualisierbar ist. Nachdem ich meinen ersten Garnkalender verstrickt hatte (s. Blogbeitrag), wollte ich das Thema angehen und aus dem nächsten Kalender meinen eigenen Schal frimmeln. Mein Furo (jap. für „Fluss“) schwirrte mir schon lange im Kopf rum und ich wollte schon immer aus einem Unistrang und einem Farbverlauf einen eigenen Flusslauf zaubern. Gesagt getan, der Kalender kam, ich setzte meine Idee in die Tat um, ribbelte nach 5 verstrickten Türchen alles und korrigierte die Stellen, die mir nicht so gut gefallen haben. Stand heute bin ich zwar noch längst nicht fertig, aber da die Anleitung ins Unendliche erweiterbar ist, kann ich ruhigen Gewissens die Anleitung bereits hochladen und vielleicht findet jemand gefallen daran. Spätestens beim nächsten #aprilvent möchte zumindest ich fertig sein 😀

Der Schal ist in vielerlei Hinsicht individualisierbar. Ein paar Beispiele und Anregungen, findest du unter der Anleitung. Lese dir die Hinweise durch, bevor du mit deinem Schal startest. Er ist auch optimal geeignet, um Garnvorräte zu vernichten. Mit den von mir angeschlagenen 115 Maschen wird das gute Stück ungespannt ca. 47 cm breit.

PS: Wie immer bitte ich zu bedenken, dass ich noch immer eine absolute Anfängerin bin, wenn es um das Schreiben von Anleitungen geht. Hab etwas Nachsicht und falls der Fehlerteufel drin ist und gib gerne Bescheid. Manchmal wird man etwas betriebsblind und die Logik wird niemals mein Verbündeter sein 🙂

(!!!) Sollte dir der Schal gefallen und du bist auf Instagram, würde ich mich riesig freuen, deine Version zu sehen. Nutze dafür gerne den Hashtag #FuroSchal und/oder verlinke mich woll.verine

Deine Materialien

Die Anleitung funktioniert mit jedem Garn deiner Wahl! Solltest du Reste miteinander kombinieren, achte nur darauf, dass die Garnstärke identisch ist.

Es sieht aber bestimmt auch sehr schön aus, wenn das Strickstück in zwei Farbtönen gehalten wird oder in der Mitte ein blauer Farbverlauf ist. Oder ein Lavastrom in rot? Alles möglich!

In meinem Fall habe ich 1 Strang Schwarz 420m, 100 Gramm und 21 Minis á 84m, 20 Gramm verwendet, wobei ich noch einiges an Resten übrig habe (Pro Farbe 6 Gramm Rest). Diese werden zu Socken oder einer passenden Mütze verarbeitet 🙂 Alternativ kannst du den Schal natürlich eine etwas breitere Stola stricken und so etwaige Reste minimieren.

Außerdem brauchst du eine Rundstricknadel Stärke 3,5, Seillänge je nach geplanter Breite (Werbung, da Affiliate-Link), eine Schere und eine Stopfnadel zum vernähen.

Deine Kenntnisse

  • Maschen anschlagen
  • Rechte Maschen
  • Eine rechtsgeneigte Zunahmen aus dem Querfaden
    (Bilder findest du unter „Erklärungen“ nach der Anleitung)
  • Eine linksgeneigte Zunahmen aus dem Querfaden
    (Bilder findest du unter „Erklärungen“ nach der Anleitung)
  • Maschen rechts zusammenstricken
  • Maschen rechts überzogen zusammenstricken
  • Farbwechsel
    (Bilder findest du unter „Erklärungen“ nach der Anleitung)
  • Abketten (zB. durch Maschenstich)

Abkürzungen

  • M = Maschen
  • lM = linke Maschen
  • rM = rechte Maschen
  • m1r = rechtsgeneigte Zunahme aus dem Querfaden
  • m1l = linksgeneigte Zunahme aus dem Querfaden
  • 2 M. r. überz. zus.str. = 2 Maschen rechts überzogen zusammen stricken
  • 2 M. r. zus.str. = 2 Maschen rechts zusammenstricken
  • FW = Farbwechsel
  • wdh. = wiederholen

Das Wichtigste im Überblick

  • Jede Anfangsmasche wird einfach abgehoben. Der Arbeitsfaden liegt dabei hinter der Arbeit.
  • Den großen Uni-Strang musst du entweder auf zwei Knäuel aufteilen und somit auseinander schneiden oder so wickeln, dass man von beiden Seiten gleichzeitig stricken kann. Sprich mit dem Anfangs- und den Endfaden.
  • Zieh den Faden beim Farbwechsel fest. Dies fällt leichter, wenn du in der Folgereihe wieder an der gleichen Stelle angekommen bist und den Faden wieder aufnimmst.
  • Jede Zunahme aus den Querfäden kann durch eine dir leichter fallende Alternative ersetzt werden. Umschläge z.B. geben kleine, sicherlich auch dekorative Löcher.
  • In der Rückreihe werden jeweils die zwei Maschen eines Farbwechsels links abgestrickt. Alternativ kannst du natürlich auch gnadenlos alles links stricken 😉
  • Nach jeder Reihe wird die Arbeit gewendet.


Die Anleitung

Die Hin- und Rückreihe bestehen im Grunde nur aus diesen 10 Schritten, die ich hier etwas ausführlicher beschreibe. Das Wellemuster entsteht durch gleichmäßige Zu- und Abnahmen der einzelnen Farben und geht nach den ersten paar Reihen ganz einfach.

Schritt 1: Nehme 115 Maschen mit deinem einfarbigen Garn (eG) auf und stricke 10 Reihen rechte Maschen, hebe dabei jede erste Masche der Reihe ab. Der Arbeitsfaden liegt hinter der Arbeit.

Schritt 2: Nun wird die zweite Farbe eingearbeitet! Hebe die erste Masche ab und stricke 9 Maschen rechts mit deinem einfarbigen Garn (eG).

Schritt 3: Farbwechsel auf buntes Garn. Achte darauf, dass der Anfangsfaden gut gesichert und nicht zu kurz ist. In der Rückreihe kannst du den nun ruhenden Faden wieder stramm ziehen.

Schritt 4: Stricke rechte Maschen bis 10 Maschen vor Ende.

Schritt 5: Farbwechsel auf das einfarbige Garn. Nutze hierfür den zweiten Faden (wir verstricken hier den Anfangs- und den Endfaden!) des Knäuels, um das Garn von beiden Seiten stricken zu können.

Schritt 6: Wende die Arbeit und stricke die ersten 9 Maschen rechts, die 10te Masche links

Schritt 7: Farbwechsel auf bunt

Schritt 8: Erste Masche links, alle Maschen rechts, bis auf die letzte bunte Masche. Die strickst du ebenfalls links ab.

Schritt 9: Farbwechsel auf eG

Schritt 10: Erste Masche links stricken, bis zum Reihenende rechte Maschen.


Um in die Ausgangsposition zu gelangen, arbeite zuerst die folgende Hin- und Rückreihe. Danach beginnt der Mustersatz.

Hinreihe: 1 M abheben, rM bis Farbwechsel, Farbwechsel, rM bis Farbwechsel, Farbwechsel, rechte Maschen bis Reihenende.

Rückreihe: 1 M abheben, rM bis eine M vor Farbwechsel, 1 lM, Farbwechsel, 1 lM, rechte Maschen bis eine M vor Farbwechsel, 1 lM, Farbwechsel, 1 lM, rM bis Reihenende

Rückseite

Mustersatz:

Nun wird die erste Welle gearbeitet. Um das einfarbige Garn breiter werden zu lassen, wird jeweils auf der rechten und der linken Seite eine Masche zugenommen, während das bunte Garn jeweils um eine verkleinert wird.

Hinreihe: 1 M abheben, rM bis eine M vor FW, m1r, 1 rM, FW, 1 rM, M. r. überz. zus.str., rM bis drei M vor FW, 2 M. r. zus.str., 1 rM, FW, 1 rM, m1r, rM bis Reihenende.

Rückreihe: 1 M abheben, rM bis eine M vor FW, 1 lM, FW, 1 lM, rM bis eine M vor FW, 1 lM, FW, 1 lM, rM bis Reihenende

*wdh. beide Reihen noch 6x. (Im Anschluss hast du 17 Maschen des einfarbigen Garns auf jeder Seite)

Damit die Welle nicht eckig wird, werden jetzt über 6 Reihen hinweg weder Zu- noch Abnahmen gearbeitet.

Hinreihe: 1 M abheben, rM bis FW, FW, rM bis FW, FW, rM bis Reihenende.

Rückreihe: 1 M abheben, rM bis eine M vor FW, 1 lM, FW, 1 lM, rM bis eine M vor FW, 1 lM, FW, 1 lM, rM bis Reihenende

*wdh. beide Reihen noch 2x

Nachdem die Welle etwas gebrochen wurde, wird sie nun wieder schwächer. Dabei tauschen wir nun einfach die Schritte, die wir oben bei den Zunahmen gemacht haben wie folgt:

Hinreihe: 1 M abheben, rM bis 3 M vor FW, 2 M. r. zus.str., 1 rM, FW, 1 rM, m1l, rM bis eine M vor FW, m1r, 1 rM, FW, 1 rM, M. r. überz. zus.str., rM bis Reihenende.

Rückreihe: 1 M abheben, rM bis eine M vor FW, 1 lM, FW, 1 lM, rM bis eine M vor FW, 1 lM, FW, 1 lM, rM bis Reihenende

*wdh. beide Reihen noch 6x. (Im Anschluss hast du wieder 10 Maschen des einfarbigen Garns auf jeder Seite)


Die erste Welle ist geschafft! Damit es nun nicht wieder steil nach oben geht, werden jetzt über 8 Reihen hinweg weder Zu- noch Abnahmen gearbeitet. Wenn du keinen Farbverlauf hast, stricke einfach die Hin- und Rückreihe jeweils 4x.

Wenn du eine neue Farbe ansetzt, stricke wie folgt:
1x Hin- und Rückreihe bisherigem Garn
1x Hin- und Rückreihe neues Garn
1x Hin- und Rückreihe bisherigem Garn
1x Hin- und Rückreihe neues Garn

Hinreihe: 1 M abheben, rM bis FW, FW, rM bis FW, FW, rM bis Reihenende.

Rückreihe: 1 M abheben, rM bis eine M vor FW, 1 lM, FW, 1 lM, rM bis eine M vor FW, 1 lM, FW, 1 lM, rM bis Reihenende


Fertig! Das war schon der komplette Mustersatz. Diesen wiederholst du so lange, bis dein Garn oder deine Geduld aufgebraucht sind. Achte darauf, dass du am Ende seines Schals die Abnahmen gearbeitet hast und bei einfarbiges Garn wieder bei 10 Maschen angekommen bist. Im Anschluss arbeite eine Hin- und Rückreihe ohne Zu- und Abnahmen.



Anregungen für deinen Schal

Die gefällt das Grundkonzept, aber krausrechts ist dir zu langweilig? Das verstehe ich voll und ganz, allerdings brauche ich aktuell das einfache Abarbeiten um abschalten zu können 🙂 Hier ein paar Vorschläge, die du deinen Schal gestalten könntest:

  • Stricke ihn glattrechts und baue ein paar Streifen ein. Diese sorgen dafür, dass sich deine Arbeit nicht so stark einrollt. Die wohl nervigste Eigenschaft eines glattrechtsgestrickten Stückes. Die Aufteilung (im einfarbigen Teil) könnte wie folgt aussehen:
    12 rM, 2Ml, 1rM, 2Ml, 12 rM, 2Ml, 1rM, 2Ml, 12 rM
    3Ml, 2rM, 3Ml (Mitte)
    12 rM, 2Ml, 1rM, 2Ml, 12 rM, 2Ml, 1rM, 2Ml, 12 rM
  • Jeder Fluß braucht seine Fische! Wie wäre es, mit zufällig angeordneten, eingestrickten Perlen oder PompomMaschen?
  • Du hast nicht so viel Garn übrig oder xx cm sind dir zu breit? Reduziere die breite um 20 Maschen, allerdings nehme diese vom mittleren Teil weg, damit der Rand kraftvoll genug bleibt.
  • Die Wellen sollen größer oder kleiner sein? Jede Wiederholung kannst du beliebig oft wiederholen! Wie toll würde es bitte aussehen, wenn dein Fluß sich ungleichmäßig um deinen Hals schlängelt? Mal 10 Wiederholungen und ein anderes Mal nur 3? Vielleicht auch nicht immer wieder auf die 10 Maschen zurück?
  • Fallmaschen hatte ich auch kurz überlegt, allerdings davon abgesehen. Sie erinnerten mich zu sehr an Fischernetze und das wollte ich meinen Fischen nicht antun 😉 Allerdings können sie optisch wirklich ein Highlight sein! Stricke dafür an einer beliebigen Stelle im einfarbigen Garn einen Umschlag, markiere dir die Stelle und lasse einige Reihen später die daraus entstandene Masche fallen. Keine Sorge, der Schal geht nicht kaputt, da die „richtigen“ Maschen ja weiterhin auf den Nadeln sind, nur die künstlich erzeugte wird geribbelt.

Außerdem: Sobald ich meinen Schal beendet habe, werde ich wahrscheinlich eine wellige Häkelkante anbringen. Schals müssen bei mir immer irgendeinen Abschluss haben, sei es durch Quasten, Zottel oder eben auch eine schnieke Häkelkante. Ob es gut wird? Wir werden es sehen, die Anleitung werde ich auf jeden Fall ergänzen 🙂

Erklärungen

Wer meinen Blog kennt weiß, dass ich absolut kein Profi bin und keinerlei Ambitionen zu komplizierten Mustern habe. Die oben genannten Kenntnisse wirken vielleicht auf dem ersten Blick kompliziert, aber ich verspreche: Wenn ich es kann, kann es jeder! 🙂

Nicht wundern, die Bilder habe ich im Rahmen meiner Anleitung für das Tuch „Owendsonn“ (s. Blogbeitrag) aufgenommen und nutze sie fauler Weise auch für diesen Beitrag.

Eine rechtsgeneigte Zunahme aus dem Querfaden
Mit der linken Nadel von hinten in den Querfaden (Faden zwischen zwei Maschen)
einstechen und mit der rechten Nadel durch den vorderen Teil der Masche eine rechte Masche stricken


Eine linksgeneigte Zunahmen aus dem Querfaden
Mit der linken Nadel in den Querfaden (Faden zwischen zwei Maschen) von vorne
einstechen und mit der rechten Nadel durch den hinteren Teil der Masche eine rechte Masche stricken
.


Farbwechsel Hinreihe

Ausgangsposition

Den nicht mehr benötigten Faden auf der Rückseite um den neuen wickeln…

… und einfach direkt mit dem neuen weiterstricken. Falls sich die letzte Masche lockert, kannst du den Faden in der Rückreihe wieder straffziehen.


Farbwechsel Rückreihe

Ausgangsposition

Den nicht mehr benötigten Faden auf der Vorderseite um den neuen wickeln…

… und einfach direkt mit dem neuen weiterstricken. Falls sich die letzte Masche lockert, kannst du den Faden in der Hinreihe wieder straffziehen.


Beide Techniken bringen einen schönen Effekt, sind aber einfacher, als gedacht, oder? Es mag dein, dass die ersten paar Reihen etwas frimmelig sind, aber nach wenigen Versuchen hat man den Dreh raus. Achte nur darauf, dass du die zuletzt gestrickte Masche wirklich strafziehst, bevor zu eine Reihe darüber mit dem Faden weiterstrickst.




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