Wer auf Social-Media Plattformen wie Instagram oder Facebook unterwegs ist, wird an den Bananensocken nicht vorbeigekommen sein. Ein Trend, der 2023 aus dem Boden geschossen ist und allgegenwärtig die Handarbeits-Community begeistert oder bis aufs Blut genervt hat. Schon lange standen sie auf meiner Liste und nun ist es endlich so weit: Ich teste sie selbst – Wenn auch mal wieder viel zu spät 😉

Der Name

Die Bananensocken haben ihren Namen durch ihre spezielle Bananenform erhalten. Durch das Strickmuster biegen sie sich nach oben – so simpel, so gut 🙂

Das Prinzip

Zu gerne hätte ich dem Ursprungsbeitrag Credits gegeben – also namentlich die Person genannt, die die Strickweise der Bananensocke erfunden hat. Allerdings scheint das Konzept nicht neu, sondern sogar schon ziemlich alt zu sein.

Das Prinzip ist denkbar einfach, sofern man bereits Mojo-Socken und Co. gestrickt hat. Durch das Zusammenspiel von Mustern, die sich vertikal zusammenziehen (Wie z.B. 2 Maschen rechts, 2 Maschen links) und Mustern, die möglichst entspannt und weit sind (Nur rechte oder linke Maschen) erhält unsere Banane ihre Form. Auf Grund dieses raffinierten Zusammenspiels wirken die (ungetragenen) Stricksocken sehr klein und zierlich. Mein Partner wollte mir nicht glauben, dass ich dieses Paar für mich stricke, bis ich mit den Händen das Muster auseinander gezogen habe. It´s Magic!

Die Vorteile

  • Sie sehen witzig aus
    Ja, manchmal reicht auch das 🙂
  • Mindless stricken
    Das Strickmuster der Bananensocken ist denkbar einfach und dadurch absolut fernsehtauglich. Du musst lediglich aufpassen, die rechten und linken Runden abwechselnd zu stricken.
  • Keine Ferse notwendig
    Fersenstricken gehört nicht zu meinen Hobbies! Während ich Sockenstricken genial finde, nerven mich Fersen ungemein. Ich kann sie weglassen? Perfekt! Viele haben schon ihre Erfahrungen geteilt und empfinden den Sitz der „Nicht-Ferse“ als sehr angenehm.
  • Die Länge ist egal
    Während ich manche Dinge relativ gut einschätzen kann, gehört die optimale Fußlänge anderer Personen nicht dazu. Mein Partner muss ständig die Socken anprobieren, sobald ich an der Spitze angekommen bin und für andere stricke ich gar nicht erst. Da hier gänzlich auf die Ferse verzichtet wird, kann ich die Socken bedenkenlos stricken und gehe nicht das Risiko ein, dass irgendwo ein cm fehlt.
  • Resteverwertung
    Da man nicht auf eine bestimmte Länge achten muss, kann man seine Strickgarne einfach restlos aufbrauchen – was sonst nur bei Toe Up Stricksocken möglich ist. In meinem Fall habe ich ein gut abgelagertes Garn verwendet und muss mir keine Gedanken machen, ob es reicht oder nicht.
  • Kindersocken
    Wer kleine Kinder hat, könnte an den Bananensocken seine Freude entwickeln. Da sie typische „Schlauchsocken“ sind – wie die sonst gängigen Spiralsocken – wachsen sie ein Stück mit und müssen nicht so schnell ersetzt werden, wie klassische Sockenpaare.
  • Das perfekte Anfängerprojekt!
    Ich habe meine Strickkarriere mit Stricksocken begonnen und würde es immer wieder tun. Mir haben damals zwar viele davon abgeraten, aber durch den Wechsel von linken und rechten Maschen, Zu- und Abnahmen konnte ich viele Grundlagen lernen oder zumindest kennenlernen. Da hier auf die Ferse verzichtet wird und die Länge nahezu egal ist, können auch weniger Mutige sich getrost an ihrem ersten Sockenpaar versuchen.

Die Nachteile

  • Keine Ferse
    Erstaunlicher Weise ist der beliebteste Vorteil der Ferse gleichzeitig ihr Nachteil. Ich habe – gefühlt – hunderte Erfahrungsberichte gelesen und während die einen die fersenlose Strickweise lieben, finden die anderen sie grauenvoll. Die Kritik lässt sich in zwei Kategorien unterteilen. Die eine ist, dass die Ferse nicht „geformt“ wurde und sich somit nicht optimale dem Fuss anpasst. Die Zweite ist, dass die Stelle der Ferse somit schneller durchgescheuert wird, wenn die Socken oft getragen werden. Hintergrund ist, dass die Stelle weder verstärkt werden kann, noch durch die kleine „Fersenbeule“ genügend Material vorhanden ist. Ich könnte mir vorstellen, dass es hierbei entscheidend ist, welche Fersenform die jeweilige Person hat. Vielleicht mögen Menschen mit hohem Spann und breiter Ferse die fersenlose Strickweise nicht so gerne, während Menschen mit schmaler Ferse von ihr schwärmen? Ein interessanter Gedanke, den wir aber sicherlich nicht abschließend beurteilen können.
  • Es findet kein Ende
    Durch die relativ eintönige Arbeit hat man das typische „Stillstand-Gefühl“. Man sieht weder Fortschritte, noch biegt sich die Socke dem Ende entgegen. Für mich tatsächlich der Negativ-Punkt, der am meisten Gewicht hat.
  • Das Aussehen
    Viele finden die Form wenig ansprechend und haben keine Freude daran. Für sie gehören „Fersen“ genauso zur Optik, wie der restliche Teil der Stricksocke.
  • Teile der Handarbeits-Community
    Etwas, was sich durch viele meiner Beiträge zieht muss auch an der Stelle erwähnt sein. Trends kommen und Trends gehen. Ja, die Foren und die Gruppen wurden überschwemmt von Bildern der Bananensocken und ich kann verstehen, dass man selbst keine Freude daran hat und genervt davon ist. Allerdings finde ich es immer und immer wieder erschreckend, wie gnadenlos manche ihre Meinung äußern. Es wurde kommentiert, dass die Leute nur zu faul seien „richtige Stricksocken“ zu stricken und überhaupt seien es nicht mal ansatzweise richtige Socken. Die Socken würden absolut lächerlich aussehen und es wäre schade um das Garn und die Zeit. Sie würden sich schämen, sowas jemandem zu schenken. Mit dem Argument „Man wird doch seine Meinung sagen dürfen! Aber nein, das ist HIER ja nicht gewünscht“ meinen viele eine Absolution für jede Äußerung zu erhalten.
    Ich bin seit… 2007(?) auf Facebook – also schon ein Weilchen. Dadurch kann ich durchaus beurteilen, wie sich die Kommunikation bzw. der Ton verändert haben und ich sehe deutlich, wie die frühere, jugendliche Leichtigkeit unter die Räder gekommen ist. Etwas, was ich mehr als bedauerlich finde. Instagram war lange ein Rettungsboot für viele, die darauf keine Lust mehr hatten und leider ist dieses Phänomen mittlerweile auch dorthin übergeschwappt. Immerhin ist mir ein Satz SO oft ins Auge gefallen, dass dazu ein Blogbeitrag geplant ist 🙂
  • Das Wort „Bananensocken“
    Sicherlich ein absolut individueller Nachteil, aber kein Wort auf diesem Blog habe ich so oft falsch geschrieben, wie die „Bananensocke“ 😀

Mein Test

Endlich im zweiwöchigem Urlaub angekommen, lagen zwei längere Autofahrten vor mir. Weder wollte ich meinen unhandlichen Schlumpi-Pullover mitnehmen, noch das komplizierte Tahiti-Muster. Ein einfaches Projekt musste her und schnell fielen mir die Bananensocken ein, die ich schon seit bestimmt 10 Monaten stricken wollte. Endlich was die Chance da, die entspannt anzuschlagen!

Die Auswahl des passenden Garns war alles andere als einfach. Weder wollte ich besonders schönes Garn verschwenden (falls sie wirklich nicht lange halten), noch waren andere Garne nicht sonderlich blogtauglich. „Blogtaugliche Garne“ sind meist heller, freundlicher und lassen das Muster besser erkennen. Ein Punkt, der mich relativ oft nahe dem Wahnsinn treibt 😀 Schlussendlich fiel mir ein Tweed-Restgarn in die Hände, was nach meinen „Frostbeulen-Projekt“ übrig blieb und seitdem in meiner Schublade vor sich her schmollte. Resteverwertung – Jiha! Das Projekt kann ja nur gut werden.

Mit meiner 2,25er Rundstricknadel (Werbung) schlug ich schnell 64 Maschen an und strickte 15 Runden 2 Maschen links und 2 Maschen rechts. Anders als sonst, habe ich auf die Verschränkung der rechten Maschen verzichtet. Konsequenter Weise hätte ich diese Strickweise die komplette Socke über durchziehen müssen doch leider ist die Faulheit eine große Kraft in mir. Schlimm finde ich es allerdings nicht, da die verschränkten rechten Maschen dazu dienen, mein Bündchen später in Form zu halten. Auf Grund dessen, dass die Stricksocke jedoch zur Hälfte aus einem zusammenziehenden Bündchenmuster gestrickt wird, sollte „Ausleiern“ kein Problem darstellen.

Im Anschluss daran habe ich jeweils 5 Runden rechte Maschen und 4 Runden linke Maschen auf der oberen Seite der Socken gestrickt. Die untere Hälfte blieb ihrem „2 Maschen rechts, 2 Maschen links“-Muster treu. Du magst dich fragen: „Warum 5 Runden rechte Maschen, aber nur 4 Runden linke Maschen?“ und ich kann dir ganz einfach antworten: Weil ich zu blöd zum Zählen war und es dann so gelassen habe 😀

Kleiner Hinweis am Rande: Beide Socken stricke ich parallel, auf zwei verschiedenen Nadeln. So werden auf jeden Fall beide (nahezu) gleichzeitig fertig. Second-Sock-Syndromler kennen das Problem und ich kenne mich 😀

Fazit

Bisher haben mir die Söckchen keine größeren Schwierigkeiten bereitet. Weder habe ich das Gefühl, dass ich das Ende niemals erreichen werde, noch strickt es sich allzu langweilig. Sicherlich wird das Strickmuster niemals den Stellenwert einer Gundelsocke erreichen, aber als nettes Zwischendurch-Leckerli absolut zu empfehlen. Allerdings stört mich ab und an die spezielle Form der Stricksocken beim Stricken. Die Socken biegen sich mittlerweile in ihre gewünschte Form und kitzeln mich beim Stricken oder liegt mir sogar (gefühlt) im Weg. Wahrscheinlich bin ich es nur noch nicht gewohnt und die Irritation wird sich in den kommenden Runden legen.

In wie weit die späteren Socken standhaft und belastbar sind, kann und werde ich nicht beurteilen können. Zwar stricke ich überwiegend Socken, trage sie aber viel zu selten und wenn, dann meistens nur zuhause. Ggf. werde ich mal ein zweites Paar nachschießen und für meinen Partner stricken. Er trägt nahezu täglich meine Stricksocken (süß, oder?!) und wird ein besseres Urteil fällen können, als ich es je könnte. Da ich nicht auf die Fersen achten muss, sollte – sofern ich es stricke – unser entspanntestes Sockenpaar aller Zeiten werden 😀

Übrigens … Das Streifen-Tweed-Garn hat sehr zu meiner Begeisterung beigetragen. Die Streifen scheinen optimal geeignet zu sein, um das eigenwillige Strickmuster der Bananensocken hervorzuheben und haben sich ganz wunderbar dem Wechsel zwischen rechter und linker Maschen angepasst. Sobald die Stricksocken von den Nadeln gehüpft sind, gibt es natürlich ein fertiges Bild 🙂


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