Ach du Strick!

Meine kuriose Wissensdatenbank

Wahrscheinlich kennst du sie auch: Bei allem Erlernten, gibt es die kleinen verrückten AHA-Momente, in denen man entweder auf den Boden der Tatsachen geschleudert wird oder eine wirkliche Erleuchtung findet. Vor allem den Handarbeiter:innen, die seit sie bis 3 zählen können stricken oder häkeln, werden manche Dinge als vollkommen bedeutungslos und normal erscheinen. Für mich waren sie dagegen kleine Offenbarungen, die ich gerne mit euch teilen möchte.

Übrigens: Ein um – jede neue Erkenntnis – wachsender Beitrag! 🙂


1.) Große Füße haben endlich einen Sinn!
Keine Frage, wer mit Schuhgröße 42 statt mit einer 36 durch die Welt latscht, braucht definitiv mehr Garn und Zeit für ein Paar Stricksocken. Eine bittere Erkenntnis, die mich schon früh frustrierte und gerade die ersten 2 Paare eine Neverending-Story werden ließen. Meine Stimmung änderte sich, als ich zum ersten Mal handgefärbtes Garn in den Händen hielt und mich bzgl. „Wildern“ einlas. Wildern bedeutet, dass man das Garn mittels Fadenspannung so steuern kann, dass die Farben nicht wild durcheinander, sondern fortlaufend als Blöcke gestrickt werden. Dieser Effekt lässt sich nahezu ausschließlich mit einer Schuhgröße um die 42 erzielen. Sicherlich gibt es auch Handfärber:innen, die ein wenig tricksen und es auch kleinen Größen ermöglichen können, aber das ist keinesfalls der Standard. In dem Fall wäre meine Bananensocke nicht im Verlauf und für mich nur halb so schön <3

Gestrickte Socke aus handgefärbter Merino Wolle Banane


2.) Garn ist nicht gleich Wolle!
Naiv nannte ich früher jedes Garn „Wolle“, ohne einen weiteren Gedanken daran zu verschwenden. Mittlerweile achte ich sehr genau darauf, dass ich Wolle nur wirklich dann als Begriff verwende, wenn die Faser tierischen Ursprungs ist. Klassische Beispiele sind AlpacaWOLLE oder SchafWOLLE. Wolle aus Polyacryl gibt es nicht und – nun wird es kompliziert – auch BaumWOLLE sollte nicht WOLLE genannt werden.

3.) Mathematik, mein Damoclesschwert!
Rechnen gehörte noch nie zu meinen Stärken und obwohl ich mich diesen Dämon immer wieder stelle, will es mir einfach nicht gelingen. Natürlich war mir vor meiner Handarbeitskarriere schon klar, dass man auch mal Rechnen muss… aber irgendwie… dachte ich eher, dass man immer nur Reihen zählt oder auch mal Zentimeter abmisst. Das ich mal Maschenproben ermitteln müsste, hätte ich mir nie auch nur in meinen schlimmsten Alpträumen vorstellen können. Von den Anleitungen, an denen ich mich langsam rantaste ganz zu schweigen!

4.) Garn kann echt teuer sein!
Ich gehöre definitiv nicht zu den geizigen Menschen und habe auch keine Angst davor, für gute Qualität zu zahlen. Ich hätte es jedoch nie für möglich gehalten, dass mich ein Knäuel Sockengarn 22 Euro kosten könnte und für noch viel unwahrscheinlich hätte ich es gehalten, das Geld tatsächlich auch dafür auszugeben!

5.) Wie? Ein Knäuel reicht nicht für einen Pullover???
Natürlich wird jeder Profi den Kopf schütteln, aber ich war wirklich zutiefst schockiert! Mein erstes Wollfest sollte damals der Ort sein, an dem ich für meinen ersten Pullover Garn kaufen wollte. Ich hatte mir noch keine Anleitung rausgesucht, noch nie etwas Anspruchsvolles gestrickt, aber wollte die Gunst der Stunde nutzen und pilgerte los. Während ich durch die Gänge schlich, blieb ich an einem Stand stehen und bewunderte das bunte, glitzernde Garn. Neben mir standen zwei Frauen, die sich über ihr Gemeinschaftsprojekt „Strickpullover“, unterhielten. Wunderbar! Ich – ja – lauschte gespannt, wie sie sich über die Garnmenge, die Stärke des Garns unterhielten und hoffte ein wenig wertvollen Input abstauben zu können. Statt eines umsetzbaren Plans oder einer Inspiration, erntete ich die bittere Erkenntnis falsch gelegen zu haben. Es würde nicht reichen, mir ein Knäuel meiner Lieblingsfarbe rauszusuchen und ob ich 2, 3 oder 4 Stränge bräuchte, hing von der Garnstärke ab. Das Projekt wurde frustriert abgebrochen und ich kaufte einfach 3 Garne, die aus blankem Frust im Körbchen landeten. Zwei wurden in meinem Maeva (Blogbeitrag) verarbeitet, ein weiteres fand erst 2 Jahre später seine Berufung und wurde ein Paar Stricksocken. Natürlich war ich am Ende des Tages absolut demotiviert, aber Lernen muss ja nicht immer Vergnügen bereiten 😉

6.) Es gibt Garn, in dem Knoten gewollt sind?
In meinem Blogbeitrag „Wenn der Knoten im Kopf, dem in der Wolle weicht.“ habe ich bereits von meiner Erfahrung mit Bobbeln berichtet. Bevor ich mich zum ersten Knoten vorgehäkelt hatte, ging ich davon aus, der Farbverlauf sei eingefärbt. Nie im Leben hätte ich mit einem Knoten im Garn gerechnet und häkelte, mich etwas betrogen fühlend, weiter. Heute liebe ich die kleinen Hubbelchen und nehme sie gerne als Etappenziele.

7.) Man kann Hunde verstricken
Natürlich war bereits vor meiner eigenen Handarbeitskarriere klar, dass man Schafwolle zum stricken nimmt. Alpaka, Seide und Co. waren ebenfalls in meinem Weltbild ein Bestandteil der Pullover unserer Zeit. Als ich jedoch zum ersten mal jemanden sah, der aus der ausgebürsteten Unterwolle seines Hundes Stricksocken herstellte, war ich wirklich überwältigt! Leider hatte ich bisher immer ungeeignete Tiere, aber sollte irgendwann ein Hund im Schafpelz in mein Leben treten, wird er gebürstet bis die Schwarte kracht!

8.) Es gibt Rockstars der Handarbeit!
Es gibt sie, die Ikonen, die Powerseller, die Podcaster, die Rockstars! Es mag ein wenig übertrieben klingen, aber sehr viel Handarbeiter:innen kennen Namen wie Westknits und Co. Ist es nicht irre, dass Amerikaner, Engländer, Norweger oder Dänen Anleitungen schreiben, sie hochladen und ein weltweiter Hype losbricht? Der jährliche Stephen West KAL beflügelt Färber weltweit (!) und während ihm die Strickerszene die Anleitung aus den Händen reißt, färben sich die Handfärber:innen einen Wolf und entwerfen die unterschiedlichsten Farbkombinationen.

9.) Manche Designer verdienen ganz schön viel Asche
Ich gehörte schon immer zu den Menschen, die es nur fair finden, wenn Arbeit bezahlt wird. Ich selber möchte nicht für 1,50 Euro am Tag arbeiten gehen und finde es auch bei anderen Menschen nicht erstrebenswert. Bevor ich selber mit Handarbeiten angefangen habe, hätte ich mir allerdings nicht träumen lassen, dass es Amigurumi-Anleitungen für 10 Euro gibt oder auch Pullover/ Stricktücher für 7,50 Euro. Nicht, weil es nicht gerechtfertigt ist, ich habe einfach nicht darüber nachgedacht und auch nicht, wie viel Arbeit in einer solchen Anleitung stecken kann. Wenn du etwas mehr über das Thema erfahren möchtest, kannst du dir gerne diesen Blogbeitrag durchlesen.

10.) Gehäkelt und gestrickt wird nahezu alles!
Strickpullover, gehäkelte Dreieckstücher, Klopapierhäubchen, alles schon gesehen und ich dachte, ich wäre vorbereitet. Ich habe jedoch in den letzten Jahren unfassbar viele kuriose, eklige und geniale Projekte gesehen, bei denen man nur den Bildlink zur Freundin schicken und gemeinsam lachen kann. Von Geschlechtsteil-Mützen bis hin zum „Arsch mit Ohren“ als Brillenhalter, an jeden wird gedacht und für jeden Anlass (!?) ist schon mal etwas gefrickelt worden.

11.) Körper sind unterschiedlich
Klar, der Sexualkundeunterricht ist auch an mir nicht spurlos vorübergezogen und grundsätzlich weiß ich auch, dass Menschen dick, dünn, groß oder klein sind. Handarbeiten ermöglichen es jedoch, wirklich auf jeden Körper individuell eingehen zu können. Beispielsweise gibt es Menschen, denen ein Raglanpullover nicht steht und die grundsätzlich nur Rundpassen stricken, andere haben längere Arme oder auch dickere, als es zur „normalen“ Konfektionsgröße im Geschäft passt. Alleine die Welt von verschiedenen Fersenarten (Himmel!) füllt ganze Bücher. Was da so unterschiedlich sein kann? Es gibt Füße mit hohem Spann, breiten Spann, manchen passt die Herzchenform besser, andere brauchen ein elastisches Bündchen, weil sie Diabetiker sind. Egal welches Bedürfnis besteht, bei einem wirklichen Profi kann auf alles eingegangen werden. Übrigens, falls du Stricksocken für sensible Füße und Beine stricken möchtest, schau gerne in diesem Blogbeitrag vorbei.

12.) Garn ist eine Fotodiva
Ich liebe fotografieren und hätte ich nicht Handarbeiten als Hobbie auserwählt, hätte es auch gut die Makrofotografie werden können. Während ich meine Pflanzen im Garten, meine Haustiere, die Natur gut ablichten konnte, stoße ich bei meinen Handarbeitsprojekten immer wieder an Grenzen. Rot wird Rosa, Blau ist grundsätzlich eine Katastrophe und versucht mal Schwarz zu fotografieren, wenn man noch etwas von der Struktur erkennen soll. Einfach jede noch so kleine Kleinigkeit möchte verhindern, das Garn wirklich farbecht abgelichtet wird. Mittlerweile habe ich mir einige Tricks mühsam erarbeitet und bekomme es meistens gut hin… aber auch auf den Bildern der anderen erkennt man immer wieder, dass es nicht nur mir so geht.



13.) KAL ist nicht gleich CAL
Anfänglich verwirrt, warf ich beide Begriffe immer wieder durcheinander, bis ich verstand, dass ein KAL für Knit Along steht und ein CAL für Crochet Along. Naiver Weise dachte ich immer, dass eine wäre einfach die englische Version, das andere die deutsche. Zugegeben, der Gedanke machte nie viel Sinn, da mir ein passendes, deutsches Wort nicht einfallen würde, aber hey – man kann ja nicht über alles nachdenken.

14.) Ich nehme schneller zu, als ich häkeln kann
Auf das Thema möchte ich nicht näher eingehen, erklärt aber eines meiner Ufos…

15.) Überall ist Garn!
Früher ging ich durch einen Laden und mir fielen die kleinen Knäuel kaum auf. Wenn ich heute durch die Stadt schlendere oder mich durch Läden fräse, entdecke ich es einfach ü-b-e-r-a-l-l! Sogar Super- oder Drogeriemärkten führen die kleinen Schönheiten und wenn der Buchladen um die Ecke mal kein Garn hat, gibt es natürlich immer noch die passenden Bücher für ein neues Projekt. Wäre ich nicht absolut davon überzeugt, dass du es auch siehst, würde ich dich bitten darauf mal zu achten 🙂

16.) Es gibt ein „Second-Sock-Syndrom“
Ich wusste schon immer, dass ich manchmal etwas faul bin. Das es dafür in der Welt der Handarbeit aber einen Begriff gibt, es vielen so geht und es auch bei Ärmeln auftritt, hätte ich nicht für möglich gehalten. Das Second-Sock-Syndrom bezeichnet den Unwillen, nach der ersten, fertigen Stricksocke, die Zweite zu beenden. Seitdem ich mir des Problems bewusst bin, stricke ich ausschließlich zwei Socken bzw. Ärmel gleichzeitig. Entweder auf einer Rundstricknadel zusammen, oder einzeln, dafür abwechselnd. Man muss nur seine Schwächen kennen, um sie bekämpfen zu können!

17.) Jedes Garn hat seine Besonderheiten
Garn wird in seiner Vielfältigkeit von vielen unterschätzt. Die meisten wissen, dass es mal fusseln oder kratzen kann und die Fortgeschrittenen kaufen Baumwolle für den Sommer. Wie sehr sich jedoch die einzelnen Tierarten unterscheiden und welche Eigenschaften (schwer oder leicht / empfindlich oder selbst reinigend) sie besitzen, wissen die wenigsten.

18.) Pflanzen färben Garn
Eigentlich eine Tatsache, die jedes Kind wissen müsste: Gras färbt Hose grün und manchmal Mamas Gesicht rot. Obwohl es eine so bekannte Tatsache ist, habe ich auch hierüber zuvor nie einen Gedanken verschwendet. Wenn man erst in das Thema abtaucht, wird es richtig verrückt! Manche Färbungen entstehen nur dann, wenn man noch beispielsweise Mineralien dazu gibt. ZB. benötigt der Granatapfel Eisenmoderat um Garn schwarz einzufärben, ansonsten bleibt es bei einem kräftigen Gelbton.

19.) Es gibt Unterschiede in der Art, wie ich eine Masche abstricke
Die Erkenntnis brauchte ziemlich lange, bis sie reifte und im Hirn verarbeitet wurde. Im ersten Jahr fiel mir immer wieder auf, wie schlampig meine Arbeiten aussehen und das ich weit weg von einem einheitlich sauberen Maschenbild bin. Ich kann gar nicht mehr genau sagen, wann der Moment kam, aber irgendwann entdeckte ich das „verschränkte“ Stricken und verstand, dass es eben nicht egal ist, ob ich von vorne oder von hinten den Faden hole. Mittlerweile spiele ich gerne mit der unterschiedlichen Optik und es ist eine wahre Bereicherung!

Stricksocken Bündchen, Kostenlose Anleitung

20.) Man kann nie genügend Stricknadeln haben
Auch eine der Erkenntnisse, die ich in einen Blogbeitrag umgewandelt habe. Es ist wirklich erstaunlich, dass der Bedarf linear mit dem Bestand wächst, oder?

21.) Man kann schrecklichen Muskelkater in den Händen haben!
Eine der schmerzhafteren Lektionen. Die ungewohnte Haltung der Hände und der Finger, das Festkrallen am Arbeitsfaden und die viele neue Bewegungen fordern unsere Hände ganz schön heraus! Oft geht das Erlernen neuer Dinge mit einem Muskelkater der noch untrainierten Muskeln einher und obwohl ich mir vorher dessen nicht bewusst war, waren meine Hände Luschen. Die ersten Monate durchlitt ich mit wahren Qualen, zumal niemand meine verkrampfte Haltung korrigierte und ich einfach alles falsch machte. Mittlerweile bin ich dem natürlich entwachsen, aber selbst jetzt können neue Techniken ab und zu ein wenig Schmerzen verursachen. Übrigens empfehle ich dir diesen Gastbeitrag, wenn du Problem mit Verspannungen durch deine Handarbeiten hast.

… Demnächst geht es bestimmt weiter :o)


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